Schneeweißchen
Ludwig Bechstein
Es war einmal eine Königin, die hatte keine Kinder und wünschte sich
eins, weil sie so ganz einsam war. Da sie nun eines Tages an einer
Stickerei saß und den Rahmen von schwarzem Ebenholz betrachtete, während
es schneite und Schneeflocken vom Himmel fielen, war sie so in tiefen
Gedanken, daß sie sich in den Finger stach, so daß drei Blutstropfen auf
den weißen Schnee fielen; und da mußte sie wieder daran denken, daß sie
kein Kind hatte. "Ach!" seufzte die Königin, "hätte ich doch ein Kind,
so rot wie Blut, so weiß wie Schnee und so schwarz wie Ebenholz!"
Und nach einer Zeit bekam die Königin ein Kind, ein Mägdlein. Das war so
weiß wie Schnee an seinem Leibe, und seine Wangen blüheten so rot wie
Blut, und seine Haare waren so schwarz wie Ebenholz. Die Königin freute
sich, nannte sie Schneeweißchen, und bald darauf starb sie. Da der König
nun Witwer geworden war und kein Witwer bleiben wollte, so nahm er sich
eine andere Gemahlin, das war ein stattliches Weib voll hoher Schönheit,
aber auch voll unsäglichen Stolzes und auch so eitel, daß sie sich für
die schönste Frau auf der ganzen Welt hielt. Dazu war sie zumal durch
einen Zauberspiegel verleitet, der sagte immer, wenn sie hineinsah und
fragte:
"Spieglein, Spieglein an der Wand,
Wer ist die Schönste im ganzen Land?"
und der Spiegel antwortete:
"Ihr, Frau Königin seid die schönst‘ im ganzen Land."
Und der Spiegel schmeichelte doch nicht, sondern sagte die Wahrheit wie
jeder Spiegel.
Das kleine Schneeweißchen, der Königin Stieftochter, wuchs heran und
wurde die schönste Prinzessin, die es nur geben konnte, und wurde noch
viel schöner als die schöne Königin. Diese fragte, als das
Schneeweißchen sieben Jahr alt war, einmal wieder ihren treuen Spiegel:
"Spieglein, Spieglein an der Wand,
Wer ist die schönst‘ im ganzen Land?"
aber da antwortete der Spiegel nicht wie sonst, sondern er antwortete:
"Frau Königin, Ihr seid die schönste hier,
Aber Schneeweißchen ist tausendmal schöner als Ihr."
Darüber erschrak die Königin zum Tode, und es war ihr, als kehre sich
ihr ein Messer im Busen um, und da kehrte sich auch ihr Herz um gegen
das unschuldige Schneeweißchen, das nichts zu seiner übergroßen
Schönheit konnte. Und weil sie weder Tag noch Nacht Ruhe hatte vor ihrem
bösen neidischen Herzen, so berief sie ihren Jäger zu sich und sprach:
Dieses Kind, das Schneeweißchen sollst du in den dichten Wald führen und
es töten. Bringe mir Lungen und Leber zum Wahrzeichen, daß du meine
Gebot vollzogen.!"
Und da mußte das arme Schneeweißchen dem Jäger in den wilden Wald
folgen, und im tiefen Dickicht zog er seine Wehr und wollte das Kind
durchstoßen. Das Schneeweißchen weinte jämmerlich und flehte, es doch
leben zu lassen, es habe ja nichts verbrochen, und die Thränen und der
Jammer des unschuldigen Kindes rührten den Jäger auf das innigste, so
das er bei sich dachte: Warum soll ich mein Gewissen beladen und dies
schöne unschuldige Kind ermorden? Nein, ich will es lieber laufen
lassen! Treffen es die wilden Tiere, wie sie es wohl thun werden, so mag
das die Frau Königin vor Gott verantworten. Und da ließ er
Schneeweißchen, wohin es wollte, fing ein junges Wild , stach es ab,
weidete es aus und brachte Lunge und Leber der bösen Königin. Die nahm
beide und briet es in Salz und Schmalz, und verzehrte es und war froh,
daß sie, wie sie vermeinet, nun wieder allein die schönste sei im ganzen
Lande. Schneeweißchen im Walde wurde es bald angst und bange, wie es so
mutterseelenallein durch das Dickicht schritt, und wie zum ersten male
die harten spitzen Steine fühlte, wie die Dornen ihm das Kleid
zerrissen, und vollends, als es zum ersten male wilde Tiere sah. Aber
die wilden Tiere thaten ihm gar nichts zu leide; sie sahen
Schneeweißchen an und fuhren in die Büsche. Und das Mägdlein ging den
ganzen Tag und ging über sieben Berge.
Des Abends kam Schneeweißchen an ein kleines, kleines Häuschen mitten im
Walde, da ging es hinein sich auszuruhen, denn es war sehr müde, war
auch sehr hungrig und sehr durstig. Darinnen in dem kleinen, kleinen
Häuschen war alles gar zu niedlich und zierlich und dabei sehr sauber.
Es stand ein kleines Tischlein in der Stube, das war schneeweiß gedeckt,
und darauf standen und lagen sieben Tellerchen, auf jedem ein wenig
Gemüse und Brot, sieben Löffelchen, sieben Paar Messerchen und Gäbelchen
und sieben Becherchen. Und an der Wand standen sieben Bettchen, alle
blütenweiß überzogen. Da aß nun das hungrige Schneeweißchen von den
sieben Tellerchen, nur ein wenig von jedem, und trank aus jedem
Becherchen ein Tröpflein Wein. Dann legte es sich in eins der sieben
Bettchen, um zu ruhen, aber das Bettchen war zu klein, und das Mägdlein
mußte es in einem anderen probieren, doch wollte keins recht passen, bis
zuletzt das siebente, das paßte, dahinein schlüpfte Schneeweißchen,
deckte sich zu, betete zu Gott und schlief ein, tief und fest wie fromme
Kinder, die gebetet haben, schlafen.
Derweil wurde es Nacht und da kamen die Häuschensherren, sieben kleine
Bergmännerchen, jedes mit einem brennenden Grubenlichtchen vorn am
Gürtel, und da sahen sie gleich, daß eins dagewesen war. Der erste fing
an zu fragen: "Wer hat auf meinem Stühlchen gesessen?" Der zweite
fragte: "Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?" Der dritte fragte."
Wer hat von meinem Brötchen gebrochen?" Der vierte: "Wer hat von meinem
Gemüschen geleckt?" Der fünfte: "Wer hat mit meinem Messerchen
geschnitten?" Der sechste: "Wer hat mit meinem Gäbelchen gestochen?" und
der siebente fragte. "Wer hat aus meinem Becherchen getrunken?" Wie die
Zwerglein also gefragt hatten, sahen sie sich nach ihren Bettchen um,
und fragten: "Wer hat in unseren Bettchen geschlafen?" bis auf den
siebenten, der fragte nicht so, sondern: "Wer liegt in meinem Bettchen?"
denn da lag das Schneeweißchen darin.
Da leuchten die Bergmännerchen mit ihrem Lämpchen alle hin und sahen mit
Staunen das schöne Kind und störten es nicht, sondern sie ließen den
siebenten in ihren Bettchen liegen, in jedem ein Stündchen, bis die
Nacht herum war. Da nun der Morgen mit seinen frühen Strahlen in das
kleine, kleine Häuschen der Zwerglein schien, wachte Schneeweißchen auf
und fürchtete sich vor den Zwergen. Die waren aber ganz gut und
freundlich und sagten, es solle sich nicht fürchten, und fragten, wie es
heiße? Da sagte und erzählte nun Schneeweißchen alles, wie es ihm
ergangen sei. Darauf sagten die Zwergmännchen: "Du kannst bei uns in
unserem Häuschen bleiben, Schneeweißchen, und kannst uns unseren
Haushalt führen, kannst uns unser Essen kochen, unsere Wäsche waschen
und alles hübsch rein und sauber halten, auch unsere Bettchen machen."
Das war Schneeweißchen recht, und es hielt den Zwergen haus. Die thaten
am Tage ihre Arbeit in den Bergen, tief unter der Erde, wo sie Gold und
Edelsteine suchten, und abends kamen sie und aßen und legten sich in
ihre sieben Bettchen.
Unterdessen war die böse Königin froh geworden in ihrem argen Herzen,
daß die nun wieder die Schönste war, wie sie meinte, und versuchte den
Spiegel wieder und fragte ihn:
"Spieglein, Spieglein an der Wand,
Wer ist die schönst‘ im ganzen Land?"
Da antworte der Spiegel:
"Frau Königin! Ihr seid die schönste hier,
Aber Schneeweißchen über den sieben Bergen,
Bei den sieben guten Zwergen,
Das ist noch tausendmal schöner als Ihr."
Das war wiederum ein Dolchstich in das eitle Herz der Frau Königin, und
sie sann nun Tag und Nacht darauf, wie sie dem Schneeweißchen ans Leben
käme, und endlich fiel ihr ein, sich verkleidet selbst zu Schneeweißchen
aufzumachen, und sie verstellte ihr Gesicht und zog geringe Kleider an,
nahm auch einen Allerhandkram und ging über die sieben Berge, bis sie an
das kleine, kleine Häuschen der Zwerge kam. Da klopfte sie an die Thüre
und rief: "Holla! Holla! Kauft schöne Waren!" Die Zwerge hatten aber dem
Schneeweißchen gesagt, es solle sich vor fremden Leuten in acht nehmen,
vornehmlich vor der bösen Königin. Deshalb sah das Mägdlein vorsichtig
heraus; da sah sie den schönen Tand, den die Frau zu Markte trug, die
schönen Halsketten und Schnüre und allerlei Putz. Da dachte
Schneeweißchen nichts Arges und ließ die Krämerin herein und kaufte ihr
eine Halsschnure ab, und die Frau wollte ihm zeigen, wie diese Schnur
umgethan würde, und schnürte ihm von hinten den Hals so zu, daß
Schneeweißchen gleich der Odem ausging und es tot hinsank. "Da hast du
den Lohn für deine übergroße Schönheit!" sprach die böser Königin und
hob sich von dannen.
Bald darauf kamen die sieben Zwerglein nach Hause, und da fanden sie ihr
schönes liebes Schneeweißchen tot und sahen, daß es mit der Schnur
erdrosselt war. Geschwinde schnitten sie die Schnur entzwei und
träufelten einige Tropfen von der Goldtinktur auf Schneeweißchens blasse
Lippen, da begann es leise zu atmen und wurde allmählich wieder
lebendig. Als es nun erzählen konnte, erzählte es, wie die alte
Krämersfrau ihr den Hals böslich zugeschnürt, und die Zwerge riefen:
"Das war kein andres Weib, als die falsche Königin! Hüte dich und lasse
keine Seele in das kleine Häuschen, wenn wir nicht da sind."
Die Königin trat, als sie von ihrem schlimmen Gange wieder nach Hause
kam, gleich vor ihren Spiegel und fragte ihn:
"Spieglein, Spieglein an der Wand,
Wer ist die schönst‘ im ganzen Land?"
und der Spiegel antwortete:
"Frau Königin! Ihr seid die schönste hier,
Aber Schneeweißchen über den sieben Bergen,
Bei den sieben guten Zwergen,
Das ist noch tausendmal schöner als Ihr."
Da schwoll der Königin das Herz vor Zorn, wie einer Kröte der Bauch, und
sie sann wieder Tag und Nacht auf Schneeweißchens Verderben. Bald nahm
die wieder die falsche Gestalt einer anderen Frau an, durch Verstellung
ihres Gesichts und fremdländische Kleidung, machte einen vergifteten
Kamm, und ging über die sieben Berge an das kleine, kleine
Zwerghäuslein. Dort klopfte sie wieder an die Thüre und rief: "Holla!
Holla! Kauft schöne Waren! Holla!" Schneeweißchen sah zum Fenster heraus
und sagte: "Ich darf niemand hereinlassen!" Das Kramweib aber rief
"Schade um die schönen Kämme!" Und dabei zeigte sie den giftigen der,
ganz golden blitzte. Da wünschte sich Schneeweißchen von Herzen einen
goldenen Kamm, dachte nichts Arges, öffnete die Thüre, ließ die Krämerin
herein und kaufte den Kamm.
"Nun will ich dir auch zeigen, mein allerschönstes Kind, wie der Kamm
durch die Haare gezogen wird", sprach die falsche Krämerin und strich
dem Schneeweißchen durchs Haar; da wirkte gleich das Gift, daß das arme
Kind umfiel und tot war. "So, nun wirst du wohl das Wiederaufstehen
vergessen," sprach die böse Königin und entfloh aus dem Häuschen.
Bald darauf - und das war ein Glück - wurde es Abend, und da kamen die
sieben Zwerge wieder nach Hause, fanden das armen Schneeweißchen für tot
und fanden in den feinen schönen Haaren den giftigen Kamm. Diesen zogen
sie geschwind aus dem Haar, und da kam es wieder zu sich. Und die Zwerge
warnten es auf neue gar sehr, doch ja niemand in Häuschen zu lassen.
Daheim trat die böse Königin wieder vor ihren Spiegel und fragte ihn:
"Spieglein, Spieglein an der Wand,
Wer ist die schönst‘ im ganzen Land?"
und der Spiegel antwortete:
"Frau Königin! Ihr seid die schönst‘ allhier,
Aber über den sieben Bergen,
Bei den sieben guten Zwergen,
Ist Schneeweißchen noch tausendmal schöner als Ihr."
Da wußte sich die Königin vor giftiger Wut darüber, daß alle ihre bösen
Ränke gegen Schneeweißchen nicht fruchteten, gar nicht zu lassen und zu
fassen und that einen schweren Fluch, Schneeweißchen müsse sterben, und
solle es ihr, der Königin, selbst das Leben kosten. Und darauf machte
sie heimlich einen schönen Apfel giftig, aber nur auf einer Seite, wo er
am schönsten war, nahm dazu noch eine Korb voll gewöhnlicher Äpfel,
verstellte ihr Gesicht, kleidete sich wie eine Bäuerin, ging abermals
über die sieben Berge und klopfte am Zwergenhäuslein an, indem sie rief:
"Holla! Schöne Äpfel kauft! kauft!" Schneeweißchen sah zum Fenster
heraus und sagte: "Geht fort, Frau, ich darf nicht öffnen und auch
nichts kaufen!"
"Auch gut, liebes Kind!" sprach die falsche Bäuerin. "Ich werde auch
ohne dich meine schönen Äpfel noch alle los! Da hast du einen umsonst!"
"Nein, ich danke schön, ich darf nichts annehmen!" rief Schneeweißchen.
"Denkst wohl gar, der Apfel wäre vergiftet? Siehst du, da beiße ich
selber hinein! Das schmeckt einmal gut! So hast du in deinem ganzen
Leben keinen Apfel gegessen." Dabei biß das trügerische Weib in die
Seite des Apfels, die nicht vergiftet war, und da wurde Schneeweißchen
lüstern und griff nach dem Apfel hinaus, und die Bäuerin reichte ihn hin
und blieb stehen. Kaum hatte Schneeweißchen den Apfel auf der anderen
Seite angebissen, wo er ein schönes rotes Bäckchen hatte, so wurden
Schneeweißchens rote Bäckchen ganz blaß, und es fiel um und war tot.
"Nun bist du aufgehoben, Ding!" sprach die Königin und ging fort, und zu
Hause trat sie vor den Spiegel und fragte wieder:
"Spieglein, Spieglein an der Wand,
Wer ist die schönst‘ im ganzen Land?"
und der Spiegel antwortete dieses Mal:
"Ihr, Frau Königin, seid allein die schönst‘ im Land."
Nun war das Herz der bösen Königin zufrieden, so weit ein Herz voller
Bosheit und Tücke und Mordschuld zufrieden sein kann.
Aber wie erschraken die sieben Zwerge, als sie abends nach Hause kamen
und ihr Schneeweißchen ganz tot fanden. Vergebens versuchten sie die
Wunderkraft ihrer Goldtinktur, Schneeweißchen war und blieb jetzt tot.
Da legten die betrübten Zwerglein das liebe Kind auf eine Bahre, setzten
sich darum herum und weinten drei Tage lang, hernach wollten sie es
begraben. Aber da Schneeweißchen noch nicht wie tot aussah, sondern noch
frisch wie ein Mägdlein, das schläft, so wollten sie es nicht allein in
die Erde senken , sondern sie machten einen schönen Sarg von Glas, da
hinein legten sie es und schrieben darauf:
Schneeweißchen eine Königstochter — und setzten dann den Sarg auf einen
von en sieben Bergen und hielten immer einer von ihnen Wache bei dem
Sarge. Da kamen auch die Tiere aus dem Walde und weinten über
Schneeweißchen, die Eule, der Rabe und das Täublein.
Und so lag Schneeweißchen lange Jahre in dem Sarge, ohne das es
verweste, vielmehr sah es so frisch und weiß aus wie frischgefallener
Schnee, und hatte wieder rote Wängelein, wie frische Blutröschen, und
die schwarzen ebenholzfarbenen Haare. Da kam ein junger schöner
Königssohn, der sich in den sieben Bergen verirrt hatte, zu dem kleinen
Zwerghäuslein, sah den gläsernen Sarg stehen und las die Schrift darauf:
Schneeweißchen eine Königstochter — und bat die Zwerge, ihm doch den
Sarg mit Schneeweißchen zu überlassen, er wolle denselben ihnen
abkaufen.
Die Zwerge aber sprachen: "Wir haben Goldes die Fülle und brauchen
deines nicht! Und um alles Gold in der Welt geben wir den Sarg nicht
her." — "So schenkt ihn mir!" bat der Königssohn. "Ich kann nicht sein
ohne Schneeweißchen, ich will es aufs höchste ehren und heilig halten,
und es soll in meinem schönsten Zimmer stehen; ich bitte euch darum!"
Da wurden die Zwerglein von Mitleid bewegt und schenkten ihm
Schneeweißchen im gläsernen Sarge. Den gab er seinen Dienern, daß sie
ihn vorsichtig forttrügen, und er folgte sinnend nach. Da stolperte der
eine Diener über eine Baumwurzel, daß der Sarg schütterte, und hätten
ihn beinahe fallen lassen, und durch das Schüttern fuhr das giftige
Stückchen Apfel, das Schneeweißchen noch im Munde hatte (weil es
umgefallen war, ehe es den Bissen verschluckt), heraus, und da war es
mit einem male wieder lebendig.
Geschwind ließ es der Königssohn niedersetzen, öffnete den Sarg und hob
es mit seinen Armen heraus, erzählte ihm alles, gewann es nun erst recht
lieb und nahm es zu seiner Gemahlin, führte es auch gleich in seines
Vaters Schloß, und dann wurde zur Hochzeit zugerüstet mit großer Pracht,
auch viele hohe Gäste wurden geladen, darunter auch die böse Königin.
Die putzte sich auf das Allerschönste, trat vor ihren Spiegel und fragte
wieder:
"Spieglein, Spieglein an der Wand,
Wer ist die schönst‘ im ganzen Land?"
darauf antwortete der Spiegel:
"Frau Königin, Ihr seid die schönst‘ allhier,
Aber die junge Frau Königin ist noch tausendmal schöner als Ihr!"
Da wußte die Königin nicht, was sie vor Neid und Scheelsucht sagen und
anfangen sollte, und es wurde ihr ganz bange ums Herz, und wollte erst
gar nicht auf die Hochzeit gehen; dann wollte sie aber doch die sehen,
die schöner sei, als sie, und fuhr hin. Und wie sie in den Saal kam,
trat ihr Schneeweißchen als die allerschönste Königsbraut entgegen, die
es jemals gegeben, und da mochte sie vor Schrecken in die Erde sinken.
Schneeweißchen aber war nicht allein die Allerschönste, sondern sie
hatte auch ein großes edles Herz, das die Unthaten, die die falsche Frau
an ihr verübt, nicht selbst rächte. Es kam aber ein giftiger Wurm, der
fraß der bösen Königin das Herz ab, und dieser Wurm war der Neid
Die meisten von uns werden das hier kennen:



