Das Zwergerl und die Kobolde
Kennt ihr schon das Zwergerl? Nein, nicht? Dann will ich euch schnell
miteinander bekannt machen, nicht dass ihr diese schöne Geschichte
verpasst.
Das Zwergerl ist, wie der Name schon sagt, ein lustiges kleines
Zwergenmädchen, das mit ihrer ganzen Verwandtschaft in einem Zwergendorf lebt. Macht Euch aber auf einen langen, beschwerlichen Weg
gefasst, wenn ihr es dort besuchen wollt. Denn das Dorf liegt so hoch in
den Bergen, dass ihr einen ganzen Tag durch tiefe, dunkle Wälder
spazieren und über schroffe Felswände klettern müsstet, um so hoch
hinauf zu kommen. Manchmal könnte man denken, man braucht nur die Hand
auszustrecken und könnte sich eine kleine Wolke greifen. Außerdem sind
die kleinen Hütten der Zwerge unter dunklen Tannen und tief hängenden
Fichtenzweigen sehr gut versteckt. Deshalb kommen fast nie Menschen hierher. Manchmal
laufen ein paar Wanderer ganz nah am Dorf vorbei, aber entdeckt haben
sie das Zwergendorf noch nie. Es wäre denen hier oben ohnehin viel zu
ungemütlich und umständlich. Es gibt keinen Strom aus der Steckdose,
keine Wasserhähne und keine Kühlschränke, nicht einmal einen Dosenöffner
braucht man hier.
Die Einfachheit hier oben macht den Zwergen aber gar nichts aus. Wisst
ihr, Zwerge sind sehr fleißige und sehr naturverbundene kleine Wesen.
Sie stehen früh auf und rackern und werkeln bis es dunkel wird. Und
trotzdem sind sie fast immer lustig und gut gelaunt. Sobald es hell wird
und die Vögel anfangen zu zwitschern springen die Zwerge aus dem Bett
und beginnen gemütlich mit ihrer Arbeit. Sie mahlen Mehl für das Brot,
holen Wasser aus dem Gebirgsbach oder tragen in den Berghöhlen Erz und
manchmal auch Gold ab, um es zu schmieden. Denn ihr müsst wissen, Zwerge sind wahre Künstler
der Schmiedearbeit. Besonders schön sind die schmiedeeisernen Tore und
Balustraden. Am meisten lieben Zwerge die Goldschmiedearbeit und
einen einfachen Goldklumpen verwandeln sie gekonnt in das
wundervollste Zierrat. Das Schmieden liegt Zwergen einfach im Blut.
Im Winter, wenn in Zwergerlhausen meterhoch Schnee liegt und alle
Trampelpfade tief verschneit sind, lassen die Zwerge es ruhiger angehen
und ihre Eselskarren bleiben in den Scheunen. Eine Reise zu den
Marktplätzen, auf denen die Zwerge ihre Waren gegen andere Waren
tauschen, wäre nun viel zu beschwerlich. Und so dürfen sich die Esel der
Zwerge den ganzen Winter ausruhen. Abends, wenn die Sonne sich neigt und
hinter den Bergspitzen verschwindet, sitzen die Zwerge zusammen und
erzählen sich die wunderbarsten Geschichten von ihren Vorfahren und
ihren Heldentaten. Und manchmal holen sie einen Esel aus dem Stall und
bitten ihn, seinen goldenen Huf auf ein Buch zu stellen. Denn, wisst ihr,
sobald ein Esel sein goldenes Hufeisen auf ein Buch stellt, beginnt
dieses Buch lebendig zu werden und erzählt von selbst seine Geschichte.
Und das ist einfach wunderschön anzuhören.
Unsere Geschichte beginnt an einem Wintermorgen. Das Zwergerl war gerade
aufgestanden, hatte ihre dicken Wollsocken angezogen und schlurfte im
Morgenmantel hinunter in die große Küche, um den Ofen anzuheizen und
sich einen warmen Kakao zu machen. Lump, der große semmelblonde Hund vom
Zwergerl, hatte noch alle Viere von sich gestreckt und schnarchte in
seinem Korb laut vor sich hin. Zwischendrin zuckte er mit den Beinen.
„Guten Morgen, Du alter Schnarchsack,“ begrüßte das Zwergerl ihren
faulen Mitbewohner. „Träumst wohl gerade wieder von der großen Jagd?“
Müde öffnete Lump ein Auge und schielte zum Zwergerl hinüber. Dann
drehte er sich um und begann sofort wieder zu schnarchen. „Na, Du wirst
nie ein Zwerg werden“, murmelte das Zwergerl halblaut. Dann begann es
Feuer in dem großen Küchenofen zu machen. Es suchte kleine Zweige aus
dem Holzkorb zusammen, legte ein paar größere Holzscheite drum herum.
Zum Schluß stopfte es Zeitung in die Zwischenritzen und entzündete diese mit
einem Streichholz. Sofort begann es zu prasseln und zu knistern und
schon bald breitete sich in der Stube eine wohlige Wärme aus. In der
Zwischenzeit hatte das Zwergerl den Morgenmantel gegen einen dicken
Winterpullover ausgetauscht, war in seine Winterhosen gestiegen und
hatte die Zeitung aus dem Briefkasten geholt. „Heute Nacht haben wieder
die Igel die Zeitung gebracht, die hat wieder überall Löcher,“ grinste
das Zwergerl, schlug „Das Talblatt“ auf und schlürfte, die neuesten
Nachrichten lesend, ihren heißen Kakao. Als die Tasse leer war, legte es
die Zeitung weg. „Komm Lump, schauen wir mal nach dem Florian“. Jetzt
endlich erhob sich Lump, strechte sich ausgiebig, schlurfte zur Tür und
wedelte mit dem Schwanz. Zwergerl drückte die schmiedeeiserne Klinke
herunter und kaum war die Tür einen Spalt breit geöffnet, schoß Lump
auch schon davon. Im Stall vor dem Haus trafen sie sich wieder. Florian,
der sprechende Esel, wartete schon auf sie und scharrte ungeduldig mit
den Hufen. „Na endlich“, motzte er sofort, als er das Zwergerl sah,
„sind wir heute morgen nicht aus den Federn gekommen, was?“ knurrte er,
„ich bin schon halb verhungert“.
„Geh Schmarrn“, das Zwergerl kannte Florians Geschimpfe schon, „bist ja
selber grad erst aufgewacht. Du hast Dich ja noch nicht einmal
gewaschen,“ entgegnete das Zwergerl gut gelaunt. Florian war schon immer
ein alter Grantler gewesen, aber sein Herz hatte einen gutmütigen und
liebevollen Kern.
Das Zwergerl bückte sich nach dem Heu und schob es in die Raufe.
„Endlich!“, knurrte Florian und nahm das erste Maul Heu. Das Zwergerl
stellte sich neben ihn und sah ihm beim Fressen zu. „Mein Hufeisen ist
weg,“ brummte Florian zwischen zwei Bissen. „Wie, schon wieder?“,
stöhnte das Zwergerl. „Ich hab Dir doch erst letzten Monat eines
geschmiedet.“ Es seufzte. „Brauchst gar nicht so seufzen,“ knurrte
Florian unwillig. Wahrscheinlich hast Du es wieder nicht richtig fest
angenagelt.“ „Oh, nein, das glaube ich nicht“, entgegnete das Zwergerl.
„Wahrscheinlich warst Du wieder bei Deiner Freundin und bist wieder die
Abkürzung durch die Sümpfe unten im Tal gelaufen“. Unter dem grauen
Eselsfell wurde Florian ein bisschen rot und seine Ohren wackelten
nervös hin und her.
„Aha!“, rief das Zwergerl aus. „Ertappt! Ich hab Dir schon so oft
gesagt, dass Du mit den goldenen Hufeisen nicht durch die Sümpfe laufen
sollst. Das Gold ist zu weich. Es hält dem Sog von dem matschigen
Untergrund nicht aus“. „Und jetzt?“ Verlegen kaute Florian weiter auf
seinem Heu und wich ihrem Blick aus. Er mochte es nicht, wenn er dem
Zwergerl extra Arbeit machte. Immerhin war sie sehr gut zu ihm und
verwöhnte ihn sehr. Dafür hatte Florian sie sehr gern und es tat ihm von
Herzen leid, wenn sie sich wegen ihm wieder auf den Weg zu den
Goldhöhlen machen musste. Überall auf dem Weg lauerten die Kobolde,
verspotteten die Wanderer und trieben mit ihnen allerlei Schabernack.
Aber wenn Florian die Eselin Anni besuchen ging, dann vergaß er es
einfach. Nicht, dass er in Anni verliebt war, nein, das war es nicht,
aber bei Anni gab es immer das leckere Kraftfutter und da konnte der
Florian einfach nicht widerstehen.
„Ich begleite Dich, Zwergerl“, versuchte Florian, seinen Fehler wieder
ein bisschen besser zu machen. Treuherzig schielte er zum Zwergerl hin
und sah, wie es lächelte. Sie wusste, welches Opfer er da brachte, denn
vor den Kobolden auf dem Weg hatte er große Furcht, seit sie ihn einmal
an den langen grauen Ohren an den Baum gebunden hatten. „In Ordnung,
Florian“, sagte das Zwergerl und dabei ließen sie es bewenden.
Gleich nach dem Frühstück machten sie sich auf den Weg. Zwei Stunden
waren sie nun schon durch den Wald gelaufen und noch nicht ein Kobold
hatte sich sehen lassen. Bald hatten sie die Goldhöhlen erreicht. Dem
Zwergerl waren die Kobolde lästig. Sie wollten einfach keine Ruhe geben
und versuchten immer wieder, sie hereinzulegen, um an das Gold zu
kommen, das sie sich mit List und Tücke versuchten zu verdienen. So musste man sich immer wieder etwas einfallen lassen, um
diese Plagegeister loszuwerden. Zwergerl warf einen Blick auf Lump. Er
fand die Kobolde lustig, weil die so herrlich herumhüften, wenn man auf
sie zusprang und sie erschreckte. Von Minute zu Minute wurde er
aufgeregter und hielt seine Nase in die Luft, immer in der Hoffnung,
dass ein kühler Windhauch ihm endlich Koboldsduft zutragen würde. Dann
blieb er stehen, hob einen Fuß hoch und wartete gespannt darauf, der
sich der Waldklabauter zeigen würde, damit er ihn anhüpfen und auf einen
Baum scheuchen konnte. Ja, Kobolde waren für ihn fast so lustig wie
Eichhörnchen. Ganz anders jedoch verhielt sich Florian. Bei jedem
Knistern und Rascheln zuckte er zusammen und blickte sich furchtsam um.
Dann fragte er: „Sind wir denn nicht bald da?“. „Doch, Florian,“
entgegnete das Zwergerl, „bald.“ An diesem Tag jedoch begegnete ihnen
nicht ein Kobold und als die den Wald hinter sich ließen und die letzten
Meter über steinige Felsen kletterten, da war Lump richtig enttäuscht
und ließ den Kopf hängen. Florian aber war so erleichtert, dass er ein
paar Mal kräftig „IAAAA, IAAA“ rufen musste.
Plötzlich wie aus dem Nichts lagen die Eingänge der Goldhöhlen vor
ihnen. Obwohl das Zwergerl genau wusste, wo diese Höhlen waren,
stolperte sie fast hinein. Gerade als ihr Fuß abrutschte und Florian
schnell in ihren Pulli biß, um sie festzuhalten, sagte es: „So, da sind
wir endlich. Florian, du kommst mit mir in die Höhle. Hmmmm,“ überlegte
es, „Lump, Dir wird es in der Höhle zu langweilig sein. Also gut, dann
geh auf Streifzug und sieh Dich ein bisschen um, vielleicht findest Du
ja noch ein paar Kobolde, die Du auf einen Baum jagen kannst. Aber bitte
sei in einer halben Stunde wieder hier, dann dürften wir genug Gold für
ein neues Hufeisen gesammelt haben.“ Lump bellte einmal freudig und
zeigte damit, dass er sie verstanden hatte, drehte sich sofort um und
spurtete davon.
Das Zwergerl und Florian betraten die Höhle. Erst sahen sie fast gar
nichts, aber bald hatten sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt. Und
trotz der Dämmerung blitzen hier und da kleine goldene Stückchen am
Boden. „Los Florian“, meinte das Zwergerl, „laß uns mal anfangen zu
sammeln. Alles was wir gefunden haben stopfen wir am besten in meine
Hosentasche.“ Florian schnaubte und die beiden gingen in kleinen
Schritten vorwärts. Immer wieder bückten sie sich nach einem kleinen
Glitzerteilchen. Florian sammelte seinen Goldteilchen mit dem Maul ein,
was wirklich keine leichte Aufgabe ist. Dann öffnete das Zwergerl die
Hand und vorsichtig versuchte Florian den Goldsplitter auf die
Handfläche fallen zu lassen. Man muß wirklich sagen, Florian ist ein
sehr geschickter Esel. Und so bekam Zwergerls Hosentasche langsam eine
richtig kleine Beule.
Schritt für Schritt waren sie auf diese Weise bereits einige Meter in
die Höhle hineingelaufen, als das Zwergerl plötzlich einen großen,
funkelnden Goldklumpen entdeckte. Aufgeregt zupfte sie Florian in Fell.
„Schau, Florian, schau wie groß der ist. Der dürfte genau für ein
Hufeisen ausreichen. Dann könnten wir die ganzen Splitter hier in der
Höhle lassen.“ „Wieso sollten wir die hier lassen, wir nehmen beide mit.
Dann kannst dir noch einen hübschen Kettenanhänger schmieden.“ „Nein,
Florian, Du weißt doch, man soll nicht zu viel nehmen. Sonst gibt es
hier drin ja bald kein Gold mehr.“ Florian kuckte das Zwergerl an und
warf ihr einen strengen Blick zu. Er war überhaupt nicht einverstanden
damit, dass das Zwergerl die Goldsplitter wieder aus der Tasche leeren
wollte. Wenn sie sich schon die ganze Arbeit gemacht hatten, dann sollte
sie sich wenigstens etwas hübsches Schmieden – vielleicht einen kleinen
Goldesel als Anhänger.
Die beiden waren gerade noch ein paar Meter auf den Goldklumpen
zugegangen, als links und rechts neben dem Klumpen plötzlich kleine
grüne Augenpaare aufblitzten. Zuerst waren es nur wenige, aber nach
ein paar Sekunden lag der Goldklumpen in einem Meer aus grünen
Augenpaaren. Florian schlotterte vor Angst, seine stämmigen Eselsbeine
zitterten und sein Maul verkrampfte sich, so fest biß er die Zähne
aufeinander. „Kobolde!“, schrie er, „das sind eindeutig Kobolde!“
Florian wollte sich umdrehen und davonlaufen, aber auch hinter ihm
blitzen überall grüne Augenpaare hervor. Manche waren so nah, dass man
ihre grünen Körper und ihre spitzen Ohren direkt erkennen konnte. „Bleib
ruhig, Florian. Sie werden uns nichts tun. Kobolde treiben zwar gerne
Schabernack, aber sie sind selten wirklich bös.“ „Und wie nennst Du das,
was sie mit mir gemacht haben, hä?“ Florians Stimme überschlug sich
fast. „Sie haben mir mit meinem Schwanz die Hinterbeine gefesselt und
mich dann mit Federn in der Nase gekitzelt.“ Während sich Florian so
aufregte, kamen die kleinen grünen Klabauter immer näher. Sie spürten,
wie groß seine Angst war und das machte ihnen einen Heidenspaß. „Higihgiihgii“,
kicherte einer, „kleigeineges Egesegelchegen. Daga bigist jaga
wiegiedeger. Sogollegen wigir Digich eigein bigisschegen kigitzegelegen?
Dagas wügürdege uguns gugut gegefagallegen.“ Und schon schoß eine kleine
grüne Feder auf Florian zu und knallte ihm auf die Stirn. Beim Aufprall
verwandelte sich die Feder in einen Kobold. „Pegeng!!“, brüllte die
verwandelte Feder, „gegetrogoffegen.“ Dann kicherte er kreischend. Der
arme Florian erschrak so sehr, dass er ein lautes IAAA ausschrie. Da
schoß eine zweite grüne Feder auf ihn zu und flog ihm direkt in das
Eselsmaul. Entsetzt schloß Florian seinen Mund. Aber schon tönte daraus
eine quäkende Stimme. „Higihigi, igich bigin drigin. Juguhugu!“ Florians
Augen weiteten sich vor Entsetzen.
Das Zwergerl ging zu Florian, legte ihm die Hand beruhigend auf den
Rücken, langte mit zwei Fingern in sein Maul und zog einen kleinen
grünen Kobold daraus hervor. „Nagass daga drigin“, meinte er, als das
Zwergerl ihn an seinem Beinchen festhielt und vorsichtig auf dem Boden
absetzte. „Da drin hast Du auch nichts verloren.“ Dann wandte es sich
den anderen Kobolden zu. „Jetzt ist Schluß mit den Faxen hier! Wenn ihr
nicht sofort aufhört, dann sammle ich Euch alle ein und verkaufe Euch
als Gartenzwerge.“ Augenblicklich herrschte in dem wuseligen Treiben
betretene Stille.
„Begeleigeidigigege uguns nigicht“, meldete sich nun der Anführer zu Wort.
„Migit diegieseger Sigippege wogollegen wigir nigichts zugu tugun
hagabegen.“ Schmollend drehte er sich zur Seite, nicht ohne Florian noch
einen abschätzigen Blick zuzuwerfen. Der stand immer noch neben dem Zwergerl, beruhigte sich langsam und sah ständig zwischen den
Kobolden und dem Zwergerl hin und her.
„Dann benehmt Euch auch nicht so dumm“, entgegnete das Zwergerl.
„Sag mal, Zwergerl, verstehst Du etwa, was die sagen? Ich verstehe kein
Wort.“, flüsterte Florian dem Zwergerl ins Ohr. „Klar, verstehe ich
die“, meinte das Zwergerl, „die sprechen Koboldisch. Und das ist nicht
so weit weg vom Zwergerlsch. Den Dialekt kann ich noch von meiner Oma.“
Manchmal konnte Fridolin sich nur wundern, jetzt kannte er das Zwergerl
schon so lange und noch immer gab es Dinge, die er einfach nicht wusste.
Inzwischen drehte sich das Zwergerl wieder den Kobolden zu. „Was sollte
das? Was macht ihr eigentlich hier? Soviel ich weiß, solltet ihr im Wald
leben und Euch nicht hier in den Zwergernhöhlen herumtreiben und die
Zwerge überfallen, wenn sie ihr Gold holen gehen. Das ist doch ein
uraltes Gesetz.“
„Wagas meigeinst Dugu migit Zwegergegenhögöhlegen? Wigir hagabegen
hiegier Gogold gegefugundegen. Dagas Gogolg gegehöfört uguns“,
protestierte der Oberkobold. „Wigir werdegen nigicht weigeichegen, eges
igist ugunseger Gogold.“ Dabei stemmte er seine kleinen grünen Ärmchen
in die Seiten und baute sich vor dem Goldklumpen auf wie ein
Platzhirsch.
In diesem Augenblick hörte das Zwergerl draußen ein Hecheln. Eindeutig,
das war Lump. Bestimmt hatte er draußen keine Kobolde gefunden und war
nun bestimmt in Laune, den lästigen kleinen Teilen hier mal zu zeigen,
was ein echter Schreck ist. Das Zwergerl pfiff leise zwischen den
Zähnen, um Lump das Zeichen zu geben, dass er reinkommen sollte.
„Wagas pfeigeift Dugu sogo?“, wollte der Anführer wissen. „Oh,
antwortete das Zwergerl, „ich bin nur so beeindruckt davon, wie
stattlich Du aussiehst, wie Du Dich so vor dem Goldklumpen aufbaust“,
schmeichelte es dem Kobold. Der würde gleich noch viel grüner im Gesicht
werden, vor Schreck wenn Lump erst hereinkam. Nicht, das das Zwergerl die
Kobolde nicht mögen würde, nein, abgesehen davon, dass sie fürchterlich
nervten, fand sie die kleinen grünen Hupfer eigentlich ganz amüsant,
aber wenn sie daran dachte, wie sie den armen Florian erschreckt hatten,
dann schadete es ihnen nicht, auch einen kleinen Schreck zu bekommen.
Plötzlich kreischte einer von den Kobolden auf. „AGAGAGAGAGARRRRRGGGGHHHHH“,
schrie ein anderer. Die restlichen Kobolde hatten gar keine Zeit mehr,
herauszufinden, was die beiden Kameraden so erschreckt hatte. Mit lautem
Gebell schoß Lump in die Höhle und direkt auf die Kobolde zu. Diese
stürmten auseinander, sprangen in die Höhe und krallten sich in der
Höhlenwand fest. Dort hingen sie nun und bibberten vor Angst. Lump
lachte über das ganze Gesicht und er wedelte wild mit der Rute, so als
wollte er sagen: Mann, das war lustig.
Das Zwergerl tätschelte ihm den Kopf. Dann wandte es sich den Kobolden
zu. „Ihr könnt wieder runterkommen. Lump wird Euch nichts mehr tun. Aber
Ihr verschwindet dafür aus den Zewrgenhöhlen und kehrt in den Wald
zurück. Versprochen?“ Die Kobolde, die tatsächlich noch viel grüner
waren als zuvor, nickten bedrückt. „Ihr wisst doch“, meinte das Zwergerl,
„stehlen zahlt sich nie aus. Und meinen Freunden Angst machen auch nicht.“
„Ogoh, dagas wogolltegen wigir nigicht. Stegehlegen. Neigein.
Niegiemagals. Wigir hagabegen Gogold gegefugundegen ugund wogolltegen
eges gegernege aganschaugauegen. Wigir liegiebegen agalleges wagas
glägänzt.“ Traurig hing der kleine Kobold an der Wand. Eine kleine Träne
kullerte ihm über die Wange.
Das Zwergerl bückte sich und hob den Goldklumpen auf, der ihm ja
rechtmäßig auch zustand. Dann wandten sich das Zwergerl und seine
Freunde zum Gehen.
„Sie lieben Gold wohl sehr, diese kleinen grünen Kobolde?“, meinte
Florian zum Zwergerl. „Ja“, entgegnete das Zwergerl, „das glaube ich
auch.“
Dann traten sie den Rückweg an. Sie schwiegen fast den ganzen Weg und
dachten über das nach, was sie erlebt hatten. Ab und zu huschte ein
leises Lächeln über Zwergerls Gesicht.
Zu Hause angekommen machte sie sich sofort an die Arbeit. In dem
prasselnden Ofen in ihrer Küche erhitzte sie das Gold und schmiedete ein
sehr elegantes Hufeisen daraus. Es passte Florian wie angegossen, so
dass er vor Glück schnaubte und dem Zwergerl liebevoll
mit seinen Nüstern ins Gesicht blies. Dann saß das Zwergerl gemütlich im Stall, neben ihr
war Lump eingeschlafen und vor ihr stand Florian. In der Mitte lag ein
Buch, auf das Florian seinen Huf mit dem goldenen Hufeisen gestellt
hatte. Und lebendig erzählte das Buch seine Geschichte. Eine Geschichte
von tiefen Wäldern und edlen Rittern und schönen Burgfräulein.
Als die Geschichte zu Ende war, meinte Florian: „Sag mal, Zwergerl, Du
hast doch vorhin noch etwas geschmiedet? Oder habe ich mich da
getäuscht?“ „Nein, Du hast Dich nicht getäuscht“, antwortete das
Zwergerl und lächelte. Dann kramte es in seiner Hosentasche und zog
einen mittelgroßen goldenen Anhänger heraus. „Das ist ja ein Kobold“,
empörte sich Florian. „Ja, das ist ein Kobold“, meinte das Zwergerl,
„und morgen früh geh ich hinauf in den Wald und bringe ihn den echten
Kobolden vorbei. Sie waren doch so traurig, weil sie doch alles, was
glänzt, so sehr lieben.“ „Na gut“, seufzte Florian schwer, „ich begleite
Dich.“ Aber gleichzeitig war er unglaublich stolz auf sein Zwergerl.
©Christine Findeisen


