7-Meilen-Stiefel
Eselsohren
Ahnentafel
Silbersee

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Jahr 2010 hat begonnen. Und damit auch die guten Vorsätze bezüglich meiner Leseliste. So habe ich mir vorgenommen, einen gewissen Gleichklang hineinzubringen und so für ein ausgeglichenes Leseverhältnis zu sorgen. Lesen ist ja häufig spontanes Gefühlserleben. Mein Gefühlserleben sagt mir dann häufig: ach, nimm doch einen Krimi, der ist super für die S-Bahn. Nur leider erfüllt S-Bahnlesen oft nur einen Zweck - die Fahrt soll uns kurzweiliger werden. Aber weiterbringen tut sie uns oft überhaupt nicht.

 

Auf meine Liste kommen deshalb:

3 Klassiker, nebst ordentlicher Aufbereitung

2 englische Bücher, damit die Sprache nicht vollkommen versandelt

2 Biographien, die interessant erscheinen

3 gute und lesenwerte Neuerscheinungen

2 moderne Klassiker

 

 

Auf die Größe kommt es an

von Mia Morgowski

Tom war überzeugter Single, ist aber nun seit ein paar Monaten zum ersten Mal fest liiert und macht die Erfahrung, dass Frauen Männer einfach vollkommen entwaffnen können. Beruflich muss Tom nun zu einem Fotoshooting für zwei Eiscremesorten. Gleichzeitig fährt seine Freundin in den Urlaub. Vor Ort wird Tom nicht nur mit dem Schrumpfhund, einem Mopsmädchen, konfrontiert, nach der alle ganz verrückt sind und die ihm indirekt ein paar Mal aus der Patsche hilft, sondern er wird auch mit einer vergangenen Affäre, einer Vaterschaft, mit seinem Chef im Fußballoutfit, einem Rrrusssen und seiner Mutter konfrontiert. Was schief gehen kann geht schief.

Das ist ein richtiges Strandbuch, mit dem man sich ein paar recht kurzweilige Stunden bereiten kann. Sehr lustig, straff erzählt, mit vielen Pointen und einem großen witzigen Chaos. Natürlich geht am Ende alles gut aus. Ein herrlich komisches Buch. Natürlich keine große Literatur, aber das soll es auch nicht sein :-)

 

Hoffmanns Hunger

von Leon de Winter

Kurz zum Inhalt: Freddy Mancini ist ein fetter Ami, der auf einer Europareise Zeuge einer Entführung wird. Von John Marks, einem Ostblockspezialisten, wird er später zu der Entführung befragt. Zu John ist noch zu sagen, dass er vor Jahren ein Verhältnis zu einer Frau hatte, diese Frau ist die Frau von Felix, einem niederländischen Botschafter, der in Prag eingesetzt wurde. Felix hat ein zerrüttetes Leben, seine Töchter sind tot, seine Ehe auch, er leidet unter Verstopfung und Schlaflosigkeit. Ebenso wie Freddy leidet Felix an Freßsucht. Um sein Leben zu retten und der Zerrüttung Herr zu werden wendet er sich Spinozas "Abhandlung über die Verbesserung des Verstandes" zu.

Nun, ganz ehrlich, fragt mich nicht, worum es in dem Buch wirklich geht - ich habe keine Ahnung. Alles erscheint unzusammenhängend. Die Einbettung in den historischen Rahmens des Ost-Zusammenbruchs ist willkürlich und spielt kaum eine Rolle. Großen Raum nehmen jedoch Felix´ mühsame Produktion von Fäkalien ein. Ein Spionageroman sieht für mich anders aus und ich verstehe die guten Kritiken in der Presse überhaupt nicht.

 

Elf Minuten

von Paulo Coelho

Naja, begeistert hat mich dieses Buch nicht. Coelho empfinde ich immer als ein Gemisch von Binsenweisheiten, die in den Sinn des Lebens eingeflochten werden sollen. Wie immer schreibt Coelho flüssig und gut lesbar.

Die Geschichte: ein junges Mädchen ist schon früh auf der Suche nach Liebe. Sie verliebt sich am laufenden Band. Letztlich verläßt sie ihre Heimat und geht in die Schweiz um dort zu arbeiten. Ihr Job: Prostituierte. Das einzig Bemerkenswerte an der Heldin ist, dass sie ihr Ziel nicht aus den Augen verliert und nicht wie viele andere Prostituierte abrutschen will. Der Traum von der Liebe ist längst geplatzt, sie hat der Liebe abgeschworen und erledigt ihren Job. Aber auch die Lust entdeckt sie nicht bei sich, nicht im Zusammensein mit einem Mann. Letztlich, im Höhepunkt der Geschichte, wird sie mit sich konfrontiert: sie erlebt Lust ohne Liebe und die Lust in der Liebe. Wofür sie sich entscheidet ist klar.

Coelho schreibt in seinem Nachwort, dass er ein Buch über Sex schreiben wollte - aber offen gesagt fehlt mir der Zusammenhang dann doch irgendwie. Was ist Sex, seine Nuancen, die Möglichkeiten seines Auftretens - das alles beschreibt er. Aber wozu? Es ist doch vollkommen müßig, wir wissen doch alle, dass es Liebe ohne Sex und Sex ohne Liebe und Sex mit Liebe gibt... Warum sollte Sex Liebe ersetzen? Und warum sollte reine Lust Liebe ersetzen? Dass es Grenzgebiete gibt ist auch klar. Auch dass in der Liebe nicht immer Sex notwendig ist, um Lust am anderen zu empfinden, wissen wir alle. Also mir fehlt einfach die Botschaft in der Geschichte. Gut eingeflochten hat er allerdings die Wünsche der Protagonistin, die neben ihrem Leben als Prostituierte auch ein Leben lebt, das nach Zielen strebt. Aber ob das für Frauen so neu ist? Immerhin verdienen sich tausende von Männdern mit irgendwelchen Angeboten auf dem Sexmarkt eine goldene Nase - und hier ist es eben eine Frau....

 

Verstand und Gefühl

von Jane Austen

Verstand und Gefühl ist die Geschichte von den Schwestern Elinor und Marianne. Während Elinor sehr vernunftbetont denkt und fühlt, sich in der Gesellschaft gut zu benehmen weiß und die Etikette wahrt ist Marianne zeigt Marianne ihre Gefühle und Gedanken direkt und unverblümt, häufig zu offen und vergeht ungehemmt in Schmerz und Glück ohne auf die Etikette zu achten.

Die Geschichte ist einfach erzählt: Elinor und Marianne sind Schwestern im heiratsfähigen Alter. Beide lieben jedoch unglücklich, denn Elinor liebt Edward Ferrars und Marianne liebt Willoughby. Colonel Brandon wiederum liebt Marianne. Am Ende geht alles gut aus. Elinor heiratet ihren Edward Ferrars und Marianne wird glücklich an der Seite von Colonal Brandon. Um dort hinzukommen muss Elinor lediglich so bleiben, wie sie ist, Marianne jedoch muss Besonnenheit und Ruhe erlernen.

Wie Stolz und Vorurteil hat mich dieses Buch von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen. Austens Sprache ist so unglaublich, ihre Beschreibungen so feinsinnig. Nichts wird platt einfach nur genannt, nichts ist zermürbend direkt, denn die eigentliche Realität zeigt sich nur in tausend Nuancen unter den Aktionen in einer äußerst verbindlichen und reglementierten Gesellschaft, in der Frauen wenig Chancen hatten und fast ausschließlich nur über Aussehen und Reichtum der Familie punkten konnten. So zeigt dieses Buch sehr schön, wie es Elinor und Marianne dennoch gelingt, Möglichkeiten zu finden, dennoch einen Partner zu finden, der ihr Herz erfüllt und mit dem ein glückliches Leben möglich ist. Bedenkt man, dass es in dieser Gesellschaft kaum Möglichkeiten für Frauen gab, selbst etwas auf die Beine zu stellen und dass Frauen abhängig von dem Männern waren, wiegt die Rahmengestaltung des Buches umso schwerer.

Austens Sprache ist einfach unvergleichlich schön, sie war eine wahre Künstlerin, die mit viel Fingerspitzengefühl die Gesellschaft durchdrungen hat.

 

Geschichten aus dem Wiener Wald

von Ödön von Horvath

Zur Abwechslung mal ein Bühnenstück. Marianne, die mit dem Fleischer verlobt ist, bricht aus ihren gesellschaftlichen Fesseln aus. Die kündigt Oskar, dem Metzger die Verlogung auf und brennt mit Ferdinand, einem galanten Windhund durch. Bald jedoch muss sie erkennen, dass sie einen großen Fehler gemacht hat. Sie wird schwanger, wird von Ferdinand zur Abtreibung überredet, landet letztlich im Rotlichtmilieu und wird von ihrem Vater verstoßen. In einem Milieulokal kommt es zum Eklat. Valerie, eine Tabakladenbesitzerin gelingt es mit Geschick die Parteien wieder zu versöhnen und bringt sogar Mariannes Vater dazu, den Enkel, der trotz Abtreibung zu Welt kam, zu akzeptieren. Nur Oskar kann Marianne nicht zurücknehmen, weil sie ja ein uneheliches Kind hat. Das Kind fällt einem "Mordversuch" der Großmutter zum Opfer. Am Ende zerbricht Marianne, als sie von dem Tod ihres Kindes erfährt und Oskar nimmt sie als "Willenlose" zurück. Letztlich sind alle Personen wieder genau an dem Punkt, an dem sie zu Beginn der Handlung waren. Dass sich keiner von ihnen weiterentwickelt hat ist dabei kein Zufall.

Dieses Stück ist eine schonungslose Demaskierung der menschlichen Dummheit, die nichts als Leid und Erbarmungslosigkeit hervorbringt. Horvath dringt mit diesem Stück in die bigotte und verlogene Wiener Walzergesellschaft ein, die dem Wohlgefühl hinterherjagt und dennoch nichts kennt als Menschenverachtung, Oberflächlichkeit und herzloses Verhalten, das sich hinter wohlklingenden Walzerklängen versteckt. Über gebrochene Herzen wird munter darüber gewalzt und der Wert eines Menschen wird der gesellschaftlichen Bigotterie erbarmungslos untergeordnet.

Mit diesem Stück konnte bei der Uraufführung 1931 Horvath seinen großen Durchbruch feiern. Bald emigrierte er vor den Nazis. Erst 1937 hatte er, jetzt in Paris, wieder einen großen Erfolg mit seinem Buch "Jugend ohne Gott". Gestorben ist er 1938, er wurde in Paris von einem Ast erschlagen. In Paris wurde er beigesetzt, sein Grab ist seit 1988 jedoch nach Wien verlegt worden.

 

Wer anders liebt

von Karin Fossum

Es ist selten, dass ich tatsächlich drei Bücher von einem Autor hintereinander lese. Aber die Bücher von Frau Fossum überzeugen durch ihre Klugheit.

Ein Junge wird in einem Wald tot aufgefunden - ohne Hosen. Schnell ist klar, dass dieses Kind mißbraucht wurde und dann starb. Sejer wird von einem Paar zu den Tatort gerufen, das den toten Jungen gefunden hat. Es beginnt die Aufklärung des Falles, der in Dialogen Möglichkeiten des Umgangs mit dem Täter ausleuchtet. Doch damit nicht genug. Im Verlauf des Krimis verschwindet ein weiteres Kind. Sejer und Skarre tappen im Dunkeln. Ein Zufall bringt die beiden auf die richtige Fährte, die dann aber eben nur eine vieler möglicher Fährten ist.

Doch Karin Fossum wäre keine so hervorragende Autorin, wenn der Fall stringent laufen würde und mit der Ergreifung des Täter der Krimi einen stringenten Abschluss finden würde. Sehr diffizil gelingt es ihr, ein vollkommen überraschendes und erschütterndes Ende zu inszenieren.

Ihre psychologische Klugheit zeichnet ein schreckliches Bild zum Thema Mißbrauch und zeigt auf, dass dieser überall zu finden ist, auch dort, wo man es am wenigsten vermuten würde.

 

Wer hat Angst vorm bösen Wolf

von Karin Fossum

Diese Autorin gefällt mir immer besser. Auch dieser Krimi hat mir sehr gut gefallen, wenn ich ihn auch vom Thema her persönlich nicht so ansprechend fand wie Stumme Schreie.

Halldis, eine alte Frau, wird ermordet aufgefunden. Drei Personen treffen im Folgenden aufeinander - Errki, ein psychisch kranker Patient, der aus der Klinik geflohen ist, ein Bankräuber, der dummerweise Errki als Geisel nimmt und ein Junge, der an dem Ort, an dem er die ermordete Frau findet auch Errki sieht.

Fossum schafft es in diesem Buch ein spannendes Szenario aufzubauen, in dem die Polizeiarbeit von Sejer und seinem Kollegen Skarre in weiten Teilen in den Hintergrund stellt. Erst auf den letzten Seiten wird der Mörder ermittelt. Im Vordergrund steht die Kommunikation der drei ungleichen Personen, die irgendwie doch zueinander gehören.

 

Stumme Schreie

von Karin Fossum

Ein sehr gelungener Krimi, so gelungen, dass ich gleich noch ein paar Krimis aus Fossums Kommissar Sejer - Reihe nachlegen mag.

Das Buch beginnt mit einem Junggesellen, der nach Indien fährt, um sich eine Frau zu suchen. Dies gelingt ihm auch. Er holt seine Frau zu sich nach Hause, aber sie kommt niemals an. Doch er verdrängt erst einmal, dass sich es bei der aufgefundenen Toten um seine Frau handeln könnte. Langsam nur kommen Kommissar Sejer und sein Kollege Skarre in dem Fall voran. Letztlich nehmen sie einen jungen Mann fest - sehr viel Indizien weisen auf diesen Mann hin.

Was mir  an dem Buch vor allem sehr gut gefallen hat ist Fossums Art Spannung nicht über den Fall aufzubauen, sondern über die Randumstände, die die Aufklärung eines Falles mit sich bringt. Da die Leute in dem Dorf sich gegenseitig sehr gut kennen ist es wohl nur natürlich, dass jeder zögert, die Polizei zu informieren, wenn er Beobachtungen gemacht hat. Keiner will den anderen hinhängen. Als Leser sitzt man daneben und denkt: ruf an, verdammt noch mal!!! Es ist ein Nervenkitzel, der nicht vergleichbar ist mit dem, den man in einem Thriller erlebt. Fossum baut ein psychologische Spannung auf die sich gewaschen hat. Letztlich gesteht der Täter, aber auch hier schafft die Autorin es, wieder eine nervenzerreißende Spannung aufzubauen, indem sie die Verhörmethoden in Zweifel zieht.

Ein sehr gelungenes Psychogramm, bei dem vor allem deutlich wird, wie Seiden manchmal die Fäden sind, aufgrund derer jemand verurteilt wird. Man fragt sich danach, wie viele Menschen wohl unschuldig inhaftiert sind.

 

 

Die Frau des Zeitreisenden

von Audrey Niffenegger

Was zum Kuckuck hat dieses Buch auf der Spiegel Bestseller Liste zu suchen? Seit wir keinen Reich Ranicki mehr haben, der eine öffentliche Leitlinie gibt, was lesenswert ist und was nicht, geht so manchem Menschen in der Literatur die Kultur aus... 

Die Geschichte wäre eigentlich gar nicht so wenig originell, wenn man etwas mehr daraus gemacht hätte: ein Mädchen, Clare, lernt in ihren Kinderjahren ihren zukünftigen Mann kennen, Henry. Dieser leidet an einer Genkrankheit, die ihn immer wieder aus dem Leben herausreißt und in andere Zeiten schleudert - meistens landet er sehr ramponiert, aber immer nackt. Klar, dass Henry sich auch selber trifft. Leider kann er nichts gegen die Zeitreiserei tun und so sind Clare und er immer wieder getrennt. Clare zeichnet sich in dem Buch durch eine relativ eindeutige Sprache aus, die immer wieder durchbricht und die man eigentlich in das Gedankeneigentum von Männern legen würde - klar, Sex greift immer, ist aber hier ein sehr billiges Rezept. Weil sonst nämlich nichts passiert: die beiden brauche 250 Seiten, bis sie verheiratet sind, weitere 100 Seiten, bis sie endlich schwanger bleibt und nicht den achten Schwangerschaftsabgang erlebt und die letzten 200 Seiten wartet man darauf, wie und warum Henry stirbt. Ertragen kann man das Buch nur mit Schnelllesetechnik, dann ist es nicht ganz so langweilig und hat etwas weniger Kaugummikonsistenz. Ganz schlimm finde ich die Dialoge, die ohne innere Spannung vor sich hin plätschern. Immer, wenn man einen überstanden hat, ist man froh. Stilmittel hin oder her, aber auch ein Stilmittel sollte einen nicht langweilen. Einzig gut ist die Grundlage des sprachlichen Ausdrucks - also von der Wortwahl her könnte man so schreiben.

Nein, das war ein absoluter Reinfall. Vielleicht bin ich aber nur zu doof, weil mir der tiefere Sinn verborgen bleibt. In diesem Fall lasse ich mich gerne belehren. Aber ich finde dieses Buch einfach nur schlecht.

 

Die Stimmen von Marrakesch

von Elias Canetti

Canetti mag ich einfach und so ist es klar, dass mir seine Stimmen von Marrakesch sehr gut gefallen. Ich genieße die Einzelbeobachtungen, die Canetti vornimmt und seine unbewertende Art und Weise, diese Beobachtungen zu beschreiben und zu kommentieren. Wertfrei ohne die verurteilenden Worte einer Sprache. Er sieht Kamele und erlebt ihren Tod, er trifft einen dummen Menschen einer anderen Kultur, stolpert über die Sitten und Unsitten eines fremden Landes und erfährt die Nöte einer Frau mit einem schlechten Mann.

Dieses kleine Stück beschreibender Literatur kann ich jedem empfehlen, der Canetti mag und grade Zeit für 80 Seiten hat.

 

Uniform of Justice

von Donna Leon

Ein Brunetti - Krimi, eben in englisch. Nun, ein Brunetti eben... Die meisten, die ich kenne, lesen diese Krimis, weil sie den sympathischen Commissario gern haben und sich liebend gerne geistig in Venedig aufhalten.

 

Der Metzger geht fremd

von Thomas Raab

Metzger ist Restaurator für Möbel und hat eine Freundin. Er ist unsportlich, übergewichtig, gescheit und auch witzig. Eigentlich ist damit alles gesagt.  Um so schöner zu sehen, wie es Raab gelingt aus dieser Figur einen sympathischen Ermittler zu zaubern. Der Krimi spielt hauptsächlich in einem Kurhotel und dessen Umgebung. Als plötzlich ein Toter auftaucht besucht der Strohwitwer Metzger seine Freundin, eine lustige, sympathische, bodenständige und klarsichtige Frau.

Dieser Krimi ist eine nette Lektüre für Zwischendurch und amüsiert durch die gescheiten Gedanken des Autors, seine Konsequenz in der Erzählung.

 

 

Madame Bovary

von Gustav Flaubert

Es macht immer wieder Freude, so einen alten Klassiker zu lesen. Sie sind sprachlich einfach hervorragend ausgefeilt und überzeugen auf jeder Seite durch darstellerische Schönheit und Stil. So ein Buch wirkt nicht geschrieben, es wirkt komponiert. Herrlich!

Die Geschichte ist dabei ganz einfach und auf ihre Art sehr tragisch. Emma heiratet den Arzt Bovary und zieht mit ihm in einen kleinen Ort. Schön bald fühlt sich Emma unglücklich. Aus der dortigen Gesellschaft lernt sie Leo kennen und zwischen den beiden funkt es sofort - es verbinden sie viele gemeinsame Interessen und zunächst scheint es, dass Emma in ihm endlich einen Seelenverwandten gefunden hat. Beide verlieben sich ineinander, aber es passiert nichts, denn Leo verlässt den Ort und Emma bleibt bei ihrem Mann. Inzwischen haben die beiden ein gemeinsames Kind, welches Emma zum Teil sehr stiefmütterlich behandelt, dann aber wieder in Liebe zu diesem Kind überschäumt. Kurze Zeit nachdem Leo weg ist, lernt sie Rudolf kennen. Rudolf ist ein Weiberheld vom Feinsten und lässt keine Frau aus. Mit ihm beginnt Emma nun ein Verhältnis. Was jedoch als Abenteuer beginnt wird für Emma mehr - sie will mit Rudolf fliehen und ihrem Mann sitzen lassen. Doch Rudolf macht einen Rückzieher. Wieder steht Emma nun in ihrer langweiligen Welt alleine da. Obwohl ihr Mann ein treuer und vertrauensvoller Ehemann ist empfindet Emma nur noch Abscheu von ihm und spinnt sich eine eigene Welt zurecht. Durch einen Zufall trifft sie Leo wieder und beginnt nun mit ihm ein Verhältnis. Nach einiger Zeit dämmert es Leo, dass diese Frau ihm nichts Gutes bringt und auch diese Affäre wird beendet. Hoch verschuldet durch ihren Lebenswandel und alleine fristet Emma ihr Dasein. Dann werden die Schulden erdrückend, die Pfändung steht an und Emma sucht verzweifelt Hilfe bei ihren beiden Verflossenen. Als beide die Hilfe ausweichend ablehnen nimmt Emma sich das Leben. Ihr Mann vergeht vor Trauer.

Dieses Buch ist so vielschichtig, dass man sich locker ein paar Tage damit beschäftigen kann. Anfangs hat der Leser noch Mitleid mit Emma, denn es scheint, dass Emma in ihrer Ehe einfach unglücklich ist und einfach zu dem falschen Mann ja gesagt hat. Als sie Leo kennen lernt vergeht der Leser mit ihr, weil das, was als Liebe scheint, unerfüllt bleibt. Auch dass sie als Ersatz mit Rudolf die Affäre eingeht wirkt dem Leser noch verständlich. Doch mit der Zeit verliert Emma immer mehr Boden unter den Füßen, ihre Aktionen werden immer skurriler und irgendwann steht man als Leser da und fragt sich, ob es sich bei der Liebe zu Leo tatsächlich um Liebe handeln konnte. Emma entwickelt sich zu einer Frau, die nicht Liebe, sondern Abenteuer liebt und sucht. Ihre Lügen und intriganten Spielchen nehmen jede Sympathie von ihr. Am Ende tut einem der Ehemann leid, dem sie solche Hörner aufsetzt. Wie groß ihre Not jedoch tatsächlich war wird einem im Augenblick des Selbstmordes bewußt. Liebe oder nicht? Treue oder nicht? Verzweiflung oder nicht? All dies muss der Leser für sich entscheiden.

 

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