7-Meilen-Stiefel
Eselsohren
Ahnentafel
Silbersee

 

 

 

 

 

 

 

Die Jahresbilanz ist ja an sich zufriedenstellend. Dennoch ist es mir nicht wirklich gelungen, meinen SUB abzutragen (bis auf ein paar Ausnahmen) Größer geworden ist er aber glücklicherweise auch nicht. Also beträgt der SUB immer noch so ungefähr 240 Bücher.

 

Bilanz: 36 belletristische Bücher. Wenn ich so durchblättere merke ich, dass ich einige davon schon vergessen hatte. An andere wiederum kann ich mich sehr gut erinnern

 

 

Obsession

von Simon Beckett

Als Sarah stirbt bricht für Ben eine Welt zusammen. Er steht nun mit Jacob, Sarahs autistischem Sohn alleine da. Dann entdeckt er eine Schatulle und entdeckt dort ein dunkles Geheimnis. Sarah hat Jacob gestohlen. Es entbrennt ein heißer Kampf um das Kind Jacob/Stephen.

Ein typisches Buch von Beckett mit den typischen Stärken und Schwächen. Die Stärken liegen wieder eindeutig im Vorantreiben einer Geschichte, die Schwächen machen wieder der Schreibstil und die inkonsequente Darstellung der Personen aus. Irgendwie, so finde ich, sind die Gefühle, die Beckett seinen Figuren in den Mund legt, oft ziemlich willkürlich. Das macht die Figuren vollkommen austauschbar, aber leider auch oft uninteressant. In diesem Fall wurden gegen Ende hin jedoch nicht nur die Figuren uninteressant, sondern auch die Handlung. Also nicht lesenwert, außer man verbringt seine Zeit gerne mit schlechter Literatur.

 

Der Weihnachtshund

von Daniel Glattauer

Katrin ist Single, Max ist Single und kann nicht küssen und Kurz ist unglaublich faul. So entspinnt sich eine witzige Liebesgeschichte von hoher literarischer Kraft. Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht. Aber es lohnt sich!!!

 

Featherstone

von Kirsty Gunn

In dem Roman wird das kleine Örtchen Featherstone beleuchtet und durchleuchtet. Einige der Mitbewohner werden vorgestellt, die Wirtin, der alte Mann, der Pastor nebst Frau, ein junges Mädchen in der Pubertät. Und irgendwie schleicht noch der Geist eines Mädchens in den Erinnerungen einiger Beteiligten herum. Eines Tages wird das pubertierende und sich ausprobierende Mädchen vergewaltigt, wobei der Vergewaltiger eigentlich das Geistmädchen sucht und nach ihm verlangt.

Nun, ich glaube ich habe das Buch nicht verstanden und konnte nichts damit anfangen. Auch die Botschaft habe ich null verstanden. Was wollte es mir sagen? Da war ein Mädchen, das lebte mal in dem Dorf und ging weg? Da war ein Mädchen, das alle narrisch gemacht hat und einer flippt aus? Ich frage mich, wozu ich jede Person in ihrem Innersten erkennen soll, wenn es doch nur auf den Täter ankommt. Mir war das Buch eindeutig zu wirr, zu langatmig. Die Geschichte hat er mir nicht wirklich transportiert.

 

Riven Rock

von T.C. Boyle

Seit langer Zeit mal wieder ein Buch das ich nach 200 Seiten abgebrochen habe. Es ist einfach nichts für mich. Obwohl die Grundgeschichte an sich spannend ist, in der ein Mann mit sexuellen Wahnvorstellungen, den man mit keiner Frau alleine lassen kann, ohne dass er über sie herfällt und seine Frau dennoch über Jahrzehnte zu ihm hält und Vorreiterin der Frauenemanzipation wird, so kann ich doch mit Boyle Schreibe nichts anfangen. Schachtelsätze, übergenaue Beschreibungen, die mich nicht interessieren, langatmige Gedankenstränge - das alles ist einfach nichts für mich. Nach drei Sätzen schweifen meine Gedanken weit weg - meist zum Alltagsgeschehen, das mit offensichtlich spannender erscheint.

Fazit: wer diese verkünstelte literarische Schreibe mag kommt hier voll auf seine Kosten, wer aber damit nichts anfangen kann, tut gut daran, diesen Schmöker nicht zu beginnen.

 

Kalte Asche

von Simon Beckett

Beckett versteht etwas davon Spannung aufzubauen. So war auch dieser Thriller recht spannend und überrascht zum Ende hin mit einer dreimaligen Umwendung der Situation. Das spricht für das Buch. Gegen das Buch spricht allerdings die Authentizität der Personen. Vor allem was deren Emotionen angeht wirkt der Roman eher wie ein literarisches Scrabble - viele Emotionen in einen Sack, schütteln und dann eine beliebige ziehen. Die Personen handeln nicht logisch in ihrer Psyche verankert, sondern vielmehr willkürlich. Das macht den Personenkreis um den Helden herum beliebig. Dennoch ist es gelungen, den Täter bereits etwa in der Mitte des Buches zu erraten. Nicht weil es nur derjenige sein konnte, sondern weil diese Person die einzig angenehme in dem Buch war.

Wer einen netten Thriller lesen möchte ist hier richtig, wer ein vollkommen rundes Werk erwartet ist hier jedoch leider falsch.

 

Terrorist

von John Updike

Für mich war dieser Roman ein Debüt, denn bis dato hatte ich nichts von John Updike gelesen. Überhaupt zieht es mich nicht so besonders zu der amerikanischen Literatur hin. Aber dieser Roman hat mich auf seine Art begeistert. Updike ist ein unglaublich scharfer Beobachter, der es versteht, einfache Sachverhalte so zu beschreiben, dass sie eine ganz eigene Stimmung transportieren. Auf diese Art schafft er sich stets eine eigene Symbolik mittels Sprache und das ist hochinteressant.

Auch der Roman steckt in keiner Weise zurück. Ahmed, ein achtzehnjähriger Schüler mit recht guten Zensuren, hat sich in seiner späten Kindheit dem Koran und seiner Lehre zugewandt und lebt sein Leben so gut es geht nach dessen Vorschriften und Sichtweisen. Bereits dadurch sondert er sich von seinen Mitschülern ab und nimmt eine Außenseiterrolle ein. Er versucht dem sündigen Treiben des kapitalistischen und oberflächlichen Westens nicht anheim zu fallen. Immer wieder spiegelt sich seine Andersartigkeit an seinen Mitschülern. Er will sich von dieser Oberflächlichkeit, in der der Einzelne den egoistischen Wertmaßstäben und Motiven verfällt nicht einfangen lassen. Trotz seiner klaren Linien, die Ahmed durch seinen Koranlehrer in Einzelstunden erlernt, ist er doch nichts anderes als ein orientierungsloser Junge, der seinen Weg sucht und nach Orientierungspunkten Ausschau hält. Er unterscheidet sich somit in nichts von seinen Altersgenossen. Doch im Gegensatz zu ihnen, die in ihrer Orientierungslosigkeit und in ihrem Leben ohne greifbare Wertvorstellungen sozial immer weiter abrutschen, findet Ahmed in seinem Mentor, dem Koranleherer, jemanden, der ihm einen Weg vorgibt. Damit scheint er stabiler zu sein als seine Altersgenossen. Scheint! Denn im Verlauf des Buches entblättert sich bis zur Schonungslosigkeit, dass seine Orientierung den höchsten Preis verlangt - Ahmed wird auf den Weg geschickt sein Leben für den Heiligen Krieg zu lassen und zu einem Selbstmordattentäter zu werden. Ohne zu hinterfragen begibt er sich auf den Weg in seinen Tod für den heiligen Zweck.

Updikes Roman ist ein faszinierendes Portrait eines möglichen Selbstmordattentäters, das nicht den Anspruch hat zu erklären, wie diese Menschen zu Attentätern werden, sondern eine Möglichkeit aufzeigt. Man steht am Ende betroffen vor diesem Buch und den Möglichkeiten, die dieses Psychogramm  aufzeigt. Ahmed, der von dem verderblichen amerikanischen Leben ferngehalten wird und dann rücksichtslos von den Machtgierigen Terroristen vor den Karren gespannt wird steht immer wieder im Kontrast zu den Jugendlichen, die vor gar keinen Karren gespannt werden und langsam in die Tiefen des menschlichen Unwohlseins abrutschen. Beide lassen Gewalt über sich wirken ohne sie gründlich zu hinterfragen, beide tragen ihren blinden Fleck mit sich, ohne einen Schritt nach links oder rechts zu tun und die dunklen Stellen auszuleuchten. Beide lassen auf die eine oder andere Art ihr Leben. Der Terrorist ist ein hervorragendes sozialkritisches Buch, das mit beiden Seiten abrechnet und betroffen fragt man sich, wo der Mittelweg verlaufen müsste.

 

Rauhnacht

von Michael Kobr und Volker Klüpfel

Mir hat der fünfte Teil der Kluftinger Reihe bisher am besten gefallen. Kluftinger ist mit seiner Frau und den Langhammers in einem Hotel eingeschneit. Es geschieht ein Mord und Kluftinger, abgeschnitten von der Umwelt, muß diesen alleine lösen. Nun ja, so ganz alleine ist er nicht, er hat ja Langhammer dabei.

Dieses Buch ist ein schönes Bespiel dafür, dass zwei Menschen auch miteinander können, wenn sie es müssen. Der Krimi selbst ist dieses Mal im klassischen Stil alá Agatha Christie hochgezogen und es macht ihn so angenehm, dass die beiden Autoren nicht den Anspruch für sich erheben, dieses Muster erfunden zu haben, sondern sich vollkommen auf diese Spielart einlassen.

 

Marley & ich

von John Grogan

Hier kann ich nur eines sagen: wer einen Labbi hat oder kennt muß das Lesen. Es werden verdammt viele Erinnerungen wach :-)))

Wer keinen Labbi hat und Hunde gut kennt kann es auch lesen - zum Lachen findet er auf jeden Fall etwas. Uninteressant ist dieses Buch für Menschen, die mit Hunden nichts am Hut haben. Es ist zwar gut und flüssig geschrieben, hat aber ansonsten keinen hohen literarischen Wert - es macht einfach nur Spaß.

 

Mieses Karma

von David Safier

Meine Güte, ist das ein nettes Buch! Gut, ich mag auch Lolle aus Berlin, Berlin und die Serie "Mein Leben und ich" hat mir auch recht gut gefallen. Dieses Buch ist vollständig in diesem Gusto.

Kim Lange wird an dem Abend, an dem sie den deutschen Fernsehpreis erhält, ihren Mann mit einem Chauvi betrügt und fremdgeht, den deutschen Fernsehpreis verliehen. Dummerweise wird sie von den Trümmern einer russischen Raumstation auf dem Dach des Hotels erschlagen. Sie wird als Ameise wiedergeboren, weil sie so viel schlechtes Karma angehäuft hat und stirbt erneut. Sie durchläuft mehrere Leben, Meerschweinchen, Hund, Kuh, Regenwurm etc. und muß also gutes Karma sammeln, damit sie eine Chance hat, wieder zu ihrer Tochter zu kommen. Doch mit den verschiedenen Tiergestalten verändert sich auch Kim - im Gegensatz zu Casanova, der es nie lassen kann hinter den Damen her zu sein und es so nur bis zur Katze bringt.

Ein lustiges Buch, wahrlich lustig. Manchmal war es mir dann etwas zu lustig, aber das geht in Ordnung. Der Wortwitz und der Gedankenreichtum von Safier macht das wieder wett. Die richtige Strandlektüre und ein Buch, das bestimmt gute Laune bringt.

 

Daisy Sisters

von Henning Mankell

Seit langer Zeit mal wieder ein Buch von Mankell, das mit richtig gut gefallen hat. Liegt vielleicht daran, dass dieses neue Buch eigentlich ein altes ist - es stammt von 1983 und wurde nun erst übersetzt.

Die Geschichte beginnt mit Elna, die während der Kriegsjahre ungewollt durch eine Vergewaltigung schwanger wird. Sie zieht ihre Tochter Eivor groß - eher widerwillig als liebevoll - und Eivor rebelliert immer mehr gegen ihre Mutter. Die Zeit schreitet voran. Während Elna eher der Typ der stillen Rebellion ist lebt Eivor ein unsteteres Leben. Vielleicht auch einfach bedingt durch die Zeit und den Generationenwechsel. Auch Eivor wird vergewaltigt, aber zudem wird sie noch geprügelt. Das Schlimmste jedoch in ihrem Leben ist wohl, dass sie jedesmal schwanger wird wenn ein Mann die körperliche Macht über sie demonstrieren will. So wird jede Demonstration zu einem weiteren Lebenshemmnis, auch wenn sie ihre Kinder über alles liebt. Kommen sie irgendwann zur Ruhe?

Wer das wissen möchte sollte das Buch einfach lesen. Mankell hat dieses Buch in einem sehr neutralen, distanzierten Schreibstil verfaßt - und diese Distanziertheit symbolisiert wunderbar die Einstellungen der Personen zueinander, letztlich aber auch die Einsamkeit und Unverbundenheit der Figuren. Doch irgendwie sind Mutter und Tochter doch sehr eng miteinander verwoben - beide erleben häufig die gleichen Dinge aus einem anderen Rahmen heraus. Sie spiegeln sich ineinander. Sie werfen Licht aufeinander, aber auch die Schatten. Doch jede lebt ihr eigenes Leben in eigener Verantwortung mit eigenen Geheimnissen.

 

Du sollst Bestie sein

von Uzodinma Iweala

Ein gutes Buch und wahrlich kein schönes Buch. Ein fiktiver Roman über das Schicksal eines Kindersoldaten in Afrika. Ein Kind muss, um sein Leben zu retten, mit der Machete töten, vergewaltigen, wird vergewaltigt, Soldat sein, Hunger und Durst ertragen. Wer das Buch gelesen hat braucht keine weitere Literatur zum Thema Kindersoldaten. Es ist in seiner Kürze erschöpfend dargestellt. Nur gut, dass es letztlich ein gutes Ende nimmt, so gut so eine Vorgeschichte eben sein kann. Gekonnt bringt der Autor das Grauen des Kindes und die schrecklichen Taten mit dem Leben danach in Verbindung mit den Worten: "auch ich hatte eine Mutter, die mich geliebt hat".

 

Wer sich in Gefahr begibt

von Ann Granger

Also ich glaube, das ist bisher das schlechteste Buch, das ich in den letzten Jahren gelesen habe. Nicht nur, dass das Strickmuster der Konstellationen eine reine Schmonzette ist. Haufenweise sind Logikfehler darin, die Stimmungen sind nicht authentisch und werden auf Gegenstände und Wesen übertragen, die mit dem Bild nichts zu tun haben. Oder habt ihr schon mal eine grimmig schauende Möwe gesehen? Aus dem Nichts heraus sind Personen plötzlich grimmig, launisch etc. ohne jeden logischen Zusammenhang und ohne Aufbau. Einzig die Helden sind Sympathiefiguren. Hätte der Krimi nicht in der Zeit der Kutschen und Pferde, der Telefonlosigkeit und der Öllampen, der Kohlegruben und der Armut gespielt hätte ich ihn gar nicht ertragen. Der Showdown ist langweilig. Letztlich völlig unglaubwürdig ist die Tatsache, dass der Inspector die Heldin Lizzie schon seit seinen Kindertagen geliebt hat. Außerdem stört mich immens, dass Männer immer scharlachrot anlaufen. Nein, das lohnt nicht mal für den Strand.

 

Dornröschenmord

von Anna Kalman

Hinter Anna Kalman verbergen sich zwei Gesichter - beides Frauen, die im journalistischen Bereich arbeiten: Christiane Mühlfeld und Jutta Siekmann. Der Roman selbst ist originell und witzig - gut, es sind teilweise ein paar Zufälle zuviel. Bestimmt haben beide Frauen auch die Bestellungen aus dem Universum gelesen. Genau das macht den Krimi zu einem reinen Frauenkrimi. Die Motive der einzelnen Personen liegen platt auf dem Tisch, werden dann wieder etwas verwischt. Am Ende hatte man auf jeden Fall Recht, weil man jede Person des Buches verdächtigt hat. Nur - das Ende hätte ich mir etwas weniger alá Groschenheft gewünscht. Alles in allem aber immer noch ein Buch, das man am Strand lesen kann.

 

Es gab keine Sex im Sozialismus

von Wladimir Kaminer

Ein nettes kleines Buch über den russischen Sozialismus und seine Lebensformen. Kann man gut in der S-Bahn oder einfach zur Kurzweile lesen. Die einzelnen Situationen sind gut beobachtet und mit Witz und Ironie umgesetzt und beleuchtet. So erscheint manches bizarr, was an sich ganz normal ist. Allerdings ist dies nun kein Buch, das ich besonders wichtig finden würde.

 

Schiffbruch mit Tiger

von Yann Martel

Nicht ohne Grund stand dieses Buch monatelang auf den Bestsellerlisten. Am meisten Begeistert mich die Sprach von Yann Martell, die präzise, klar und ohne Schnörkel aufzeigt. Obwohl Pi Patel ein dreiviertel Jahr mit einem Tiger auf einem Schiff nur überlebt und häufig die gleichen Handlungen beschreibt ist dieses Buch keine Minute langweilig.

Pi Patel, Sohn eines Zooleiters, ist ein sehr aufgeschlossener und interessierter Charakter. Religionen, Tiere - das alles umgibt Pi Patel und macht ihn aus. Er möchte die Dinge durchdringen, sie nicht nur anwesend wissen. Als der Zoo umziehen muß sinkt das Schiff, auf dem alle Tiere geladen sind. Die gesamte Besatzung ertrinkt. Nur Pi Patel findet sich mit einer Hyäne, einem Zebra, einem Orang Utan und einem begalischen Tiger auf dem Rettungsboot wieder. Stück für Stück entschwinden alle Tiere bis auf Richard Parker, der Tiger. Um zu überleben dressiert Pi Pathel ihn. Und gewinnt.

Ein herzliches, lehrreiches, gut recherchiertes Buch über das Leben, die Wesen der Erde und ihre Eigenarten.

 

Der Junge im gestreiften Pyjama

von John Boyne

Bruno, ein Junge von neun Jahren lebt mit seiner Schwester und seinen Eltern im Berlin der früher 40er Jahre. Dann wird der Vater beruflich versetzt in einen Ort der Aus Wisch heißt. Denn der Furor hat Großes mit ihm vor. Bruno gefällt es dort gar nicht gut. Er vermißt seine Freunde und hat in Aus Wisch niemanden zum Spielen. Bis er Schmuel kennenlernt, der hinter dem großen Zaun lebt und einen gestreiften Anzug anhat. Die beiden werden Freunde. Als der Vater beschließt, dass Bruno mit Mutter und Schwester zurück nach Berlin gehen soll heißt es Abschied nehmen. Die beiden wollen ein letztes Abenteuer miteinander erleben, weil sie bis dahin nur geredet, aber nie gespielt haben.

Dieses Buch, das in der Naivität eines Neunjährigen geschrieben ist, hat mich sehr begeistert. Boyne nähert sich dem Thema Auschwitz mit viel Feingefühl und Taktgefühl an, indem er die Ereignisse des Holocaust durch die Augen eines Kindes betrachtet. So entsteht auch die Freundschaft zwischen Samuel und Bruno - unschuldig und unvoreingenommen. Das Ende des Buches ist zutiefst erschreckend und wird der Willkürlichkeit des Holocaust absolut gerecht. Begeisterungswürdig ist die neue Idee, sich dem Holocaust einmal auf diese Art zu nähern.

 

Hinter blinden Fenstern

von Friedrich Ani

Mit seinem neuen Kommissar Polonius Fischer, einem ehemaligen Mönch, hat Ani ins Schwarze getroffen. Er ist keine gescheiterte Figur, sondern eine Person, die auch starke Sympathien erringen kann.

Der Krimi selbst ist hervorragend konstruiert und erzählt von einem verunfallten Bordellbesucher, der Entführung eines jungen Mädchens alá Natascha Kampusch und der Ermordung zweier weiterer Männer. Was anfangs keine Verbindung zueinander hat läuft zusammen oder auch nicht.

Ein guter Krimi. Das einzige, was einfach nicht so meines ist, sind die ganzen gescheiterten Personen, die auch noch in meinem Viertel wohnen. Wer möchte denn gerne von solchem Gesocks umgeben sein?

 

Pferde stehlen

von Per Petterson

Dieses Buch ist eindeutig ein Buch für erfahrene Leser. Gelegenheitslesern und reinen Geschichtenlesern, denen jede Handlung klar erzählt sein muß, wird dieses hervorragende Buch zu still sein.

Erzählt wird die Geschichte des 67jährigen Trond, der das Leben in der Stadt hinter sich gelassen hat und sich in eine einsame Hütte zurückgezogen hat und dort ein stilles Leben lebt. In scharfem Kontrast dazu stehen die eigentlich gewaltsamen Erinnerungen an die Zeit, in der der 15jährige Trond mit seinem Vater hier einen Sommer verbrachte. In der Stille der Gedanken treiben die Erinnerungen, wie das Holz, das er mit dem Vater zusammen geschlagen hat und das den Fluß hinabtrieb. Der Leser erfährt von dem schrecklichen Unglück, als sein Freund die geladene Flinte stehen ließ und sein Bruder den anderen Zwillingsbruder aus Versehen erschoß. Er erfährt davon, dass sein Vater zusammen mit der Mutter der Zwillinge dem nationalsozialistischen Untergrund angehörte. Wie sein Vater sich in diese Frau verliebte und dann seine Familie für immer verließ. Erzählt wird ein Leben mit den typischen Brüchen eines Lebens. Erzählt wird von Ereignissen, die nicht zwingend immer einen Zusammenhang brauchen und doch niemals nur lose aneinandergereiht sind. Dieses Buch wertet nicht, es reflektiert und erinnert sich.

 

 

Süden und der Straßenbahntrinker

von Friedrich Ani

Der zweite Fall von Tabor Süden. Ich fand ihn jetzt nicht so ergreifend, wie das Geheimnis der Königin, aber immer noch gut und neu im gesamten Auftritt.

 

Money oder das 1x1 des Geldes

von Bodo Schäfer

Eine nette Geschichte mit guten Ratschlägen für alle, die sich rund um das Thema Geld schlau machen wollen und sich vorgenommen haben zu sparen. Dafür ein gutes Mutmachbuch.

 

Süden und das Geheimnis der Königin und Süden und das grüne Haar des Todes

von Friedrich Ani

Beides Krimis über den Kommissar Tabor Süden. Beide Krimis haben mir ausgesprochen gut gefallen. Es ist mal etwas vollkommen Neues, dass der Held nicht in der Mordkommission arbeitet, sondern in der Vermißtenstelle. Diese Stellung benutzt Ani, um die Fälle ganz anders aufzuspinnen und Schicksale darzustellen, wie es sonst selten in Krimis passiert. Zudem zeigt Ani einen phantastischen Einblick in kriminalistische Wirklichkeiten.

So wird in dem "Geheimnis der Königin" das Thema sexueller Mißbrauch in Facetten aufgezeichnet, die man nur selten zu Gesicht bekommt, der das Ambivalente dieser grausigen Wirklichkeit darstellt. Sehr gut und sehr feinfühlig.

Das "grüne Haar des Todes" beschäftigt sich mit der Schuld, die ein junges Mädchen sich aufgeladen hat, als es im zweiten Weltkrieg eine jüdische Familie verraten hat.

Friedrich Ani zeigt punktgenau und absolut schlüssig und konsequent logisch, Dinge auf, die im Leben nie wieder gut werden können. Dies äußert sich in dem Verschwinden von Personen, die dann eben ein Leben lang nicht mehr auftauchen. In den letzten Jahren leben viele Krimis davon, dass der Leser den Kommissar wieder treffen möchte, den er von Band zu Band lieber gewinnt - man denke an Brunetti, Wallander und Klufti. Darum geht es hier nicht. Tabor Süden bleibt an sich mehr ein Schattenriß, er ist keine Figur zum liebhaben. Wer aber wirklich einmal Krimis lesen möchte, die das normale und liebgewonnene Krimischema verlassen ist den Krimis von Ani bestens aufgehoben. Den deutschen Krimipreis hat er beide Male zu Recht bekommen.

 

Shalimar der Narr

von Salman Rushdie

Ehrlich gesagt bin ich mir nicht ganz sicher, was ich von diesem Buch halten soll. Deswegen schaute ich mir die Buchkritiken in Zeitungen an und stellte fest, dass auch Kritiker sich nicht ganz sicher sind, was sie von diesem Buch halten sollen. Rushdie zeigt eine sehr anspruchsvolle Sprache. Aber macht alleine die Sprache dann die Qualität aus? Die Handlung des Buches ist einfach und doch verworren: Shalimar der Narr tötet zu Beginn des Buches einen Mann. Dann zeigt sich über die nächsten 300 Seiten die Geschichte, die dahinter steht. Als junger Mann war Shalimar verheiratet. Seine Frau nutzte die Gelegenheit als die den Amerikaner kennen lernte, ging mit ihm in die Staaten und ließ sich als seine Geliebte aushalten. Hier wurde sie fett, faul und unansehnlich. Als sie merkt, dass Max sie abschieben will, wird sie schwanger. Sehr zum Leidwesen der Gattin des Amerikaners, die keine Kinder bekommen kann. Sie nimmt Shalimars Frau das Kind ab und schickt sie zurück in ihr Land. Doch dort gilt sie für Shalimar, seine Familie und ihre Familie als gestorben und lebt im Exil im Wald. Dort wird sie dann wieder schlank und rank und ganz die Alte. Shalimar jedoch nimmt sich vor, den Amerikaner zu vernichten und seine Rachelust hält viele Jahre an. Aus enttäuschter Liebe wird er zum Attentäter. Der 11. September taucht auf. Am Ende kommt es dann zum Showdown ala Dan Brown.

Manche Teile der Handlung empfinde ich einfach als nicht wirklich stimmig, als künstlich herbeigeholt. An sich ist die ganze Handlung, würde man sie weniger verschnörkelt niederschreiben, ziemlich banal und schlecht nachvollziehbar. Die Vorstellungen der Helden entsprechen einfachen Klischees - Amerika macht fett und faul und hat es verdient angegriffen zu werden, weil sie keine Grenzen kennen.

Nun, entweder ist dieses Buch ein Meisterwerk oder es ist tatsächlich nur so halb gut. Aber wer mag das nun entscheiden?

 

 

Die Züchtigung

von Waltraud Anna Mitgutsch

Vielen hier wird der Name Anna Mitgutsch etwas sagen. Die Österreicherin hat sich einen Namen gemacht. Die Züchtigung ist ein Roman über die Frauengenerationen ab 1900 auf dem Land im bäuerlichen Milieu. Der Roman ist zugleich eine hervorragende Milieustudie wie eine psychologische Profilstudie. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der Tochter heraus, die von ihrer Mutter geschlagen und gepeinigt wurde. Mit den Jahren wird sie ein grausiges Abbild ihrer Mutter. Diese wiederum ist ein Resultat ihrer Zeit, hat Schläge ebenfalls gut kennen gelernt, durfte keine Ausbildung machen und heiratete schließlich den Mann, der nicht zu ihr paßte. Der Krieg machte die Männer rar. Die Tochter ist nun ebenfalls Mutter. Wenn sie ihre Mutter einfach vergessen hatte, dann taucht sie nun wieder auf - nach ihrem Tod.

Ein hervorragendes Buch, vielschichtig, ehrlich, grausam und keine Minute langweilig.

 

Wut

von Salman Rushdie

Ein gutes Buch. Der Held des Buches, ein ehemaliger Professor, der sich irgendwann entschieden hat, sein Professorenleben an den Nagel zu hängen und sich seiner Leidenschaft, dem Puppenmachen, zuwendet, erleidet seine ganz persönliche Niederlage im Erfolg. Denn Braingirl, die von ihm erfundene Puppe, wird ein voller Erfolg. So verändert sich Braingirl. All die guten Eigenschaften, die er in ihr gesehen hat, lösen sich mehr und mehr auf. Sie wird vermarktet, sie wird breitgetreten, sie wird ein Star - und all ihre guten Eigenschaften nivellieren sich. Denn Erfolg auf breiter Ebene ist selten ohne dass das jeweilige Wesen eben einer breiten Masse zugänglich sein muß. Dies erbittert den Professor und treibt ihn weg: weg von seiner Frau, seinem Kind. Erst in den Armen zweier anderer Frauen findet er eine Möglichkeit der Überwindung seiner Pein. Klar, als er zurückkehrt ist er exzentrisch genug, sich so aufzuführen, dass sein Sohn, der ihn ohnehin vermißt und viel nach ihm fragt, auf ihn aufmerksam werden muß.

Für mich persönlich ist Rushdies Art zu Schreiben eine Herausforderung. Ähnlich wie bei Nooteboom. Am Ende hat man das Buch gelesen und kann sich kaum noch daran erinnern, was eigentlich geschehen ist, weil die Eindrücke der Geschichte so eng in einen stream of consciousness eingebunden sind. Also für mich eine doppelte Herausforderung, weil mein Geist in dieser Sprach ertrinkt.

 

Der Schmuck der Lady Cathrine

von Joan Aiken

Aiken habe ich als Jugendliche wahnsinnig gerne gelesen. Ihre Abenteuerbücher hatten einfach was. So wollte ich nun, nachdem ich Stolz und Vorurteil grade durch hatte, natürlich wissen, wie die Geschichte der Personen um Elisabeth Bennett weitergeht.

Das Buch ist nett, aber nichts, was man vermissen würde, wenn man es nicht gelesen hätte. Lady Cathrine macht eine kleine Wandlung durch, die Charaktere werden wiederum dargelegt, ein paar Elemente kommen hinzu und das war es auch schon. Die Sprache ist weit weg von Austens kunstvollem Stil und die Beobachtungsgabe bleibt unter dem Tisch. Das ist sehr schade, denn man liest das Buch ja eben, weil es eine Fortsetzung ist. Dies hätte jedoch ein ganz normaler kriminalistisch angehauchter Roman sein können. Schade!

 

Die Leber wächst mit ihren Aufgaben

von Eckhard von Hirschhausen

Ein nettes unterhaltsames Büchlein zum Nebenbeilesen. Viele lustige Alltagssichtweisen über die Skurrilität unserer Welt.

 

Stolz und Vorurteil

von Jane Austen

Endlich habe ich diesen Klassiker gelesen und ich muß sagen: hätte ich früher gewusst, wie fantastisch dieses Buch ist, dann hätte ich das längst getan.

Elisabeth Bennet lebt als zweitälteste von fünf Töchtern mit ihren Eltern auf ihrem kleinen Gutsbesitz. Ihr Vater ist ein recht einfühlsamer Mensch mit starker Logik und doch ein paar Prinzipien, ihre Mutter ist eine peinliche Katastrophe. Von ihren Schwestern ist eigentlich nur Jane wirklich menschlich, die dritte Schwester, Mary, befreit sich aus den Fesseln der lauten Mutter, indem sie sich zur Wissenschaftlerin erkoren hat, die beiden jüngeren Geschwister sind mit ihren 16 Jahren nur an Lustbarkeiten, Kleidern und Soldaten interessiert. Nun bezieht ein junger Mann, Mr. Bingley, das Nachbargrundstück und Jane und er verlieben sich ineinander. Mr. Darcy und Bingleys Schwestern begleiten diesen bei diesem Sommeraufenthalt und bewohnen mit ihm das Grundstück. So lernt Lizzy Mr. Darcy kennen, der sich jedoch sehr zurückhaltend, hochnäsig, stolz und arrogant zeigt. Lizzy beginnt ihn zu verabscheuen, was sie ihm auch unumwunden zu verstehen gibt. Ihre Meinung wird nicht besser, als sie von einem alten Bekannten Darcys Geschichten zu hören bekommt, die Darcy nicht in ein gutes Licht stellen. Doch Darcy beginnt sich in Elisabeth zu verlieben. Als er ihr letztlich einen Antrag macht, weist sie ihn brüsk ab. Die Ereignisse bringen es nun mit sich, dass Elisabeth Darcy mehr und mehr kennen und ihn auch lieben lernt. Letztlich findet eine Doppelhochzeit von Bingley und Lizzies älterer Schwester Jane und Darcy und Elisabeth statt.

Mein Fazit: das ist ein wunderbares Buch, das wir ja in aktuellen Filmen (e-mail für Dich, Schokolade zum Frühstück) immer wieder in Auszügen zu Gesicht bekommen. Die Sprache ist altmodisch und modern zugleich. Es ist eine Geschichte zum Träumen, Lachen und Weinen zugleich - einfach wunderschön. Doch heute geht die Bedeutung der Geschichte weiter, denn sie beleuchtet die gesellschaftliche Zeit, als Hochzeiten noch standesgemäß sein mußten und Mädchen verloren waren, wenn sie keinen Mann fanden, der sie heiratet. Es zeigt, wie die junge Generation, zu der Darcy und Lizzy zählen, sich über diese Standesdünkel jedoch hinwegsetzt und beleuchtet damit zugleich das Einläuten einer neuen Zeit, einer Zeit, in der es plötzlich möglich war, aus Liebe zu heiraten. Wirklich ein ganz wundervolles Buch, das in mir noch lange Nachklingen wird. Und bitte, scheut Euch nicht vor der Sprache, denn die ist zwar sehr altertümlich, aber auch, typisch britisch, auch recht gut verständlich, modern und umgangssprachlich, wie wir es zum Teil ja auch von Shakespeare kennen.

 

Laienspiel

von Kobr/Klüpfel

Nun auch als Buch :-)) Was soll man da sagen: wahnsinnig lustig und ein echter Klufti halt. So freue ich mich dann schon sehr auf die Lesung im Juni :-))

 

Die Entdeckung der Currywurst

von Uwe Timm

Eine sehr schöne Novelle. Eine Liebesgeschichte. Bei der Suche nach der Entdeckung der Currywurst gerät der junge Ich Erzähler an Frau Brückner, die er aus seiner Hamburger Jugendzeit als Imbißbudenbesitzerin kennt. Sie hat die Currywurst erfunden. Aber bis der Leser erfährt, wie es zu der Entdeckung der Rezaptur kam erfährt er eine Liebesgeschichte. Frau Brückner nimmt während des zweiten Weltkrieges einen jungen Marineoffizier bei sich auf - ein Fahnenflüchtiger. Er bleibt die nächsten Wochen bei ihr. Frau Brückner genießt die Zeit mit Bremer, den sie in ihrer Wohnung versteckt hält und mit dem sie auf dem Matratzenfloß die Zweisamkeit der Liebe genießt. Dann ist der Krieg vorbei. Frau Brückner bringt es nicht über sich, Bremer zu sagen, dass der Krieg beendet ist. Sie weiß, dass er dann gehen würde. So schweigt sie und lügt sich selbst in die Tasche, dass diese Lüge nicht schlimm sei. Dann jedoch sieht Frau Brückner Bilder ermordeter Juden und jetzt bricht alles aus ihr heraus: sie schreit ihm entgegen, dass der Krieg längst verloren ist. Dann flieht sie aus ihrer Wohnung. Als sie wiederkommt ist Bremer verschwunden. Sie trifft ihn später einmal kurz wieder, als sie bereits die Currywurst erfunden hat und die beiden schweigen weiter. Der Konflikt mit Bremer bleibt ungelöst. Das Problem mit ihrem Mann, der aus dem Krieg zurückkehrt, der aber vor dem Krieg schon aushäusig war und immer andere Frauengeschichten hatte, löst sie anders. Sie lockt ihn aus der Wohnung und schließt hinter ihm die Tür. Auch ihn sieht sie nie wieder.

Nebensächlich an dem Buch ist tatsächlich die Entdeckung der Currywurst. Ausgeleuchtet wird die Kriegszeit, der Schwarzmarkt, das persönliche Glück von Frau Brückner, die Notlügen des Krieges. In dieses zeitgeschichtliche Ereignis spinnt sich die ganz persönliche, unspektakuläre Liebesgeschichte von Frau Brückner. Eine sehr lohnenswerte Novelle.

 

Die Chemie des Todes

von Simon Beckett

Seit Monaten steht das Buch auf der Spiegel Bestsellerliste. Nun wollte ich wissen, was dahinter steckt. Das Resultat lautet: ganz nett. Nur den Untertitel Thriller finde ich ein bisserl übertrieben. So gethrillert hat es nicht. Den Täter habe ich immer wieder erraten und sogar die "große Überraschung" ist mir zwischendurch ein paar Mal durch den Kopf gegangen. Streckenweise fand ich es sogar langweilig. Meiner Meinung nach zeigt Beckett gute Ansätze beim Schreiben, aber ein bisschen muß er noch üben. Viele Wiederholungen, viele mühsame Erklärungen, die viel lebendiger eingeflochten sein müßten. Sehr viel medizinische Detailgetreue, das im Buch wie recherchiertes Wissen klingt und wohl auch ist, das aber nicht über den Standard eines Sanitatslehrgangsbuches hinausgeht. Dann dieses ewige Gewinde um den Todeszeitpunkt herum. Auch nicht so gut gefallen hat mir, dass Hunter, der Held des Buches, den Täter letztlich zufällig findet. Wenn das so ist, dann kann ich mir den Aufbau des ganzen Polizeibrimboriums und die medizinischen Erklärungen eigentlich sparen und lieber ein amüsantes Miss Marple Quartett einsetzen.

Es ist ein nettes Buch, aber auf die Spiegel Liste gehört es meiner Meinung nach nicht.

 

Tea Bag

von Henning Mankell (als Hörbuch)

Dieses Buch von Henning Mankell hat mir sehr gut gefallen. Ein Dichter bekommt Kontakt zu jungen Mädchen, die alle illegal in Schweden sind. Jede von ihnen hat ihre Geschichte, eine Geschichte, die für den Dichter meist schwer durchschaubar ist, aber die Mädchen scheinen untereinander keine Verständnisschwierigkeiten zu haben. Mankell ist das Bild des jungen Mannes, der nichts vollständig versteht und meistens denkt, er ist im völlig verkehrten Film sehr gut gelungen. Die Frage "weshalb tut hier eigentlich keiner, was ich sage" ist absolut berechtigt. Die Lebenslinien der Mädchen sind erschütternd, irritierend und zum Teil auch ergreifend. Witzig aufbereitet sind die kulturellen Unterschiede.

 

Das Spiel des Engels

von Carlos Ruiz Zafon

Wieder ein schöner Schmöker, der uns auch wieder in den Friedhof der vergessenen Bücher führt - wenn auch nur am Rande. Eine schöne, runde Geschichte von einem jungen Autor, der einen Auftrag von dem Mann mit dem Engel am Revers annimmt und nach und nach immer tiefer in einen Strudel von Ungereimtheiten, Morden und Verlusten gerät.

 

Die Stadt der Blinden

von José Saramago

Ein Mann steht an der Ampel und erblindet plötzlich. Zunächst erblinden die Personen, mit denen er Kontakt hatte, dann noch viel mehr. Die Blinden werden zunächst in einer Quarantänestation der Irrenanstalt untergebracht und dort vom Militär bewacht. In der Station erleben die Blinden einen Alptraum des Überlebens, vor allem, als eine Gruppe Blinder die Macht an sich reißt und die restlichen Blinden unterjocht. Frauen werden vergewaltigt, ein paar andere werden erschossen. Letztlich, als die Blindheit in der ganzen Stadt um sich gegriffen hat kommen auch diese Blinden frei und stellen fest, dass das Leben zusammengebrochen ist. Nur eine Frau verliert ihr Augenlicht nicht, sie ist die einzig Sehende in dem ganzen Tumult.

Nun, mir hat das Buch nicht gefallen. Es ist hervorragend geschrieben, die Bilder drängen sich einem beinahe auf, es ist plastisch und hervorragend erzählt. Aber mir greift das Buch zu kurz. Es ist mir zu viel Kot und Schmutz und Abgrund in dem Buch, dessen Beschreibung sich wieder und wieder wiederholt. Was mir abgeht in diesem Buch sind Begründungen. Die Personen bleiben durchweg namenlos. Das Grauen bleibt namenlos. Warum? Weshalb ist die Sehende so nachsichtig, als ihr Mann vor ihren Augen mit einer anderen ins Bett geht? Warum kann die Sehende sehen? Soll das Beweis genug sein, dass eine Sehende Fehltritte verstehend akzeptiert und erblindet deshalb nicht. Das Buch ist sehr gut, keine Frage, aber mir genügt es nicht. Vielleicht ist die Willkürlichkeit die eigentliche Krönung darin, aber dazu suche ich wohl zu sehr eine Linie. Denn Dinge passieren nicht ohne Linie. Dann aber wäre es wohl ein anderes Buch geworden. Ist das das Anzeichen für den Intellekt des Autors, dass er die Reaktionen aus dem Rahmen heben kann? Fragen über Fragen. Aber eines hat der Autor erreicht: diese Bilder werde ich mir wohl eine ganze Weile lang merken. 

 

Frühlings Erwachen

von Frank Wedekind

Wedekind war auf seine Art ein Rebell. So saß er als Mitarbeiter des Simplicissimus drei Monate wegen Majestätsbeleidigung im Gefängnis. Sein Werk Frühlings Erwachen wurde zunächst verboten. Hätte mich auch gewundert, wenn man es erlaubt hätte. Dabei ist es hochaktuell.

Die Akteure des Dramas sind ein paar Jugendliche. Sie entdecken gerade ihre Sexualität. Doch ihre Fragen können sie in einer Gesellschaft, in der sie mit altrömischer und altgriechischer Kultur voll stopft, nicht anbringen. Diese Dinge ziemen sich nicht. Ein Hinweis auf Fasts Gretchen verrät dann schon weit vor Ende, wie es weitergehen wird. Ein Mädchen wird geschwängert, ohne dass sie wüßte, wie das geschehen konnte. Denn die Mutter sagte ihr: man müsse jemanden recht lieben, wenn man ein Kind bekommen möchte. Doch sie liebte nur ihre Mutter. Ein anderer Junge bringt sich um. Einen Schuldigen finden sie in dem Jungen, der sich die Mühe gemacht hat, aus verschiedenen Sexualkundebüchern die Wichtigsten Dinge herauszuschreiben. Er muß in die Erziehungsanstalt.

Dieses Buch hat mich aufgerüttelt. Ich sehe viele Parallelen zu unseren heutigen Jugendlichen. Die entgegen gesetzte Erziehung bringt eine gewisse Gleichheit mit sich. Auch heute haben wir viele ungebildete Jugendliche, nicht alle, aber doch eine ganze Menge. Es gilt abzuwägen, welches Wissen wir heute benötigen. Es gibt viele Möglichkeiten unnützes Wissen zu produzieren, wie edel die Herkunft der zu wissenden Dinge sind spielt dabei keine Rolle. Bildung ist wertvoll und wichtig. Es gilt sie richtig einzusetzen und sie für das Leben tauglich zu machen.

 

Feuerherz

von Senait G. Mehari

Senaits Kindheit war kein Zuckerschlecken. Sie wurde von ihrer Mutter in einem Koffer auf dem Schrank zurückgelassen, kommt in zwei Heime, eine Weile geht es ihr bei ihrer Großmutter gut, doch dann bringt ihre Tante sie zu ihrem Vater. Sie wird geschlagen bis er sie fast tötet. Dann bringt er sie in ein Kinderkriegslager, wo sie eine Kriegsausbildung bekommt. Zwei Jahre später holt ihr Onkel sie und ihre beiden Schwestern aus dem Lager heraus in dem sie alles kennen lernte, was menschenunwürdig ist: Vergewaltigung, Schikane, Hunger, Durst, Schläge, Tod und Leichengeruch. Endlich aus dem Lager heraus, beginnt es ihr endlich gut zu gehen. Ein paar Jahre später geht sie nach Deutschland, wo sie als Sängerin und Schriftstellerin bekannt ist.

Der Roman Feuerherz war lange in den Bestsellerlisten, bis ihr letztlich unterstellt wurde, ihre Zeit als Kindersoldatin sei erlogen. Ein Aufschrei geht durch die Reihen, weil so viele Menschen durch dieses Buch Anteil an dem Schicksal der vielen hunderttausend Kinder genommen haben. Heftig wurde die Diskussion geführt, Senait G. Mehari wird wegen übler Nachrede angeklagt. Wer dies nachlesen möchte, kann dies auf zahlreichen Seiten tun.

 

Worin liegt ihre Schuld, wenn ihre Zeit als Kindersoldatin erfunden sein sollte? Der Hauptvorwurf geht wohl, soweit ich es nachlesen konnte, dahin, dass sie eben nie an der Front war und nie eine Waffe in der Hand hatte. Das Ausbildungslager sei eine Schule gewesen, die verleumdete Anführerin eine einfache Schülerin. Man hält ihr zu Gute, dass sie sich vielleicht nicht an alles erinnern kann, weil sie erst sechs Jahre alt war. In einem Interview sagt sie, dass sich sich nicht als Kindersoldatin bezeichnen würde, sondern als Kind des Krieges. Ich empfinde eben diese Aussage als absolut glaubwürdig.

 

Nun, dies sollen die Gerichte klären und das Gewissen desjenigen, der nicht die Wahrheit gesagt hat. Aber ich finde, es gilt den Schaden und den Nutzen abzuwägen. Ein solches Buch, dass sich für die Rechte von Kindern einsetzt ist lobenswert. Es ist nötig, denn Schläge, Prügel, Abschieben, Trennen von den Eltern - das sollten Kinder nicht erleben müssen. Nirgendwo auf der Welt und schon gar nicht, um als billige Streitkräfte eingesetzt werden zu müssen. Unsere eigenen Großeltern mußten es erleben, wie es ist, als Jugendlicher in den Krieg eingezogen zu werden, als die Reserven im ersten WK ausgingen.

 

Aber eines gilt es zu bedenken - tut man wirklich etwas Gutes, wenn man ein Leid schildert, dass so nicht existieren sollte. Wohl kaum, denn hier würde eine falsche Darstellung ein falsches Bild der Realität fördern, die letztlich den Blick auf eine Problemlösung verstellt. Dann wäre "gut gemeint" eben wieder einmal das Gegenteil von "gut".

 

 

Die Freiheit es anders zu machen

von Claus Hipp

Ein wichtiges Buch, wie ich finde. Claus Hipp, den Babynahrungshersteller kennt jeder. Zu Recht! Sein Betrieb zeichnet sich durch Umsichtigkeit und Korrektheit aus. Wenn Claus Hipp in der Werbung spricht: dafür stehe ich mit meinem Namen, dann bedeutet dieser Satz etwas und ist keine leere Phrase.

Erwartet hatte ich zunächst eine klassische Biographie. Das ist dieses Buch nicht. Dieses Buch beschränkt sich nicht darauf, zu erzählen, wann er wo war und was er dort erlebt hat. Nein, es geht um seine Einstellung zum Leben, um die Dinge, die dafür sorgen, dass sein Name eben etwas bedeutet. Im Zentrum stehen sein christliches, religiöses Gedankengut, seine heutige Bedeutung, die Umstände, die in Deutschland nicht die schlechtesten, aber auch nicht die besten sind. Es ist eine Stellungnahme von einem, für den Moral und Anstand, Menschlichkeit und Fürsorge keine hohlen Phrasen sind, es zeigt, dass eine Ethik Charta etwas Gutes hat und Weitsichtigkeit und Rücksicht auch Erfolg haben können.

Mich persönlich hat das Buch sehr tief angesprochen, weil es exakt die Umstände beleuchtet, die mir persönlich in unserem Land immer mehr aufstoßen.

Da haben wir zunächst unser Steuersystem, dass dem Mittelstand tief in die Tasche greift, die Industrieelite jedoch weitgehend verschont. Da haben wir eine Erziehung zur Unmündigkeit, die sich bei uns im Land durch immer mehr Regulierungen und Gesetze zieht. Man kann es überall beobachten: die Radl Rambos, die ungebremst durch die Stadt brausen, ohne Rücksicht darauf, ob sie einen alten Menschen damit zu Tode erschrecken. Da haben wir Manager, die sich als Vertrauensträger durch korruptes Verhalten disqualifizeren und durch ihr Verhalten insgesamt die Vertrauensbasis zerstören, die man zu Führungskräften haben können sollte. Gegen dieses Verhalten nützt auch keine Helmpflicht, sondern nur Anstand und Erziehung und ein Gespür für richtig und falsch.

Wir haben Schüler, die keinen geraden Satz denken, geschweige denn dann schreiben können. Eine allgemeine Bildung fällt weitgehend vollständig aus, nicht nur bei Hauptschülern, sondern auch bei Studenten. Die Politikverdrossenheit ist enorm (mich eingeschlossen), Wahlversprechen sind groß, die Auswirkungen klein, weil es Koalitionen gibt, die einfach nicht tragen können. Anstatt einen fruchtbaren Boden zu schaffen, aus dem Gutes entstehen kann, stehen Profilierungsversuche ganz oben und verschwischen die Parteiinhalte.

Besonders deutlich sieht man dies an der Feinstaubdebatte und den Feinstaubzonen. Da klagt ein Münchner auf sein Recht auf saubere Luft, wohnt aber direkt am mittleren Ring. Und statt diese Tatsache mal im Kopf reveupassieren zu lassen, der Gedanke, der dahinter steht, nämlich auf die Umwelt wieder mehr zu achten, haben wir nun Feinstaubzonen. Die Zeiten, in denen viele, die es nicht unbedingt brauchen ihre Räder einfach mal aus dem Keller holen und das Auto der Umwelt zu Liebe mal stehen lassen sind rar. Nein, wir brauchen tausende von Schildern und eine riesiges Regelwerk, dass mir sagt, wann ich mit meinem Auto wohin fahren darf. Das ist Erziehung zur Unmündigkeit. Der Staat oder die Kommunen oder die Stadt spricht damit ihren Bürgern einen gesunden Menschenverstand ab.

Oder betrachten wir Sozialbetrug. Viele fühlen sich im Recht, wenn sie, wo sie nur können, den Staat betrügen (Schwarzarbeit, Abkassieren von Harz IV, ect., aber auch Kindergeld für jedermann fällt hier meiner Meinung nach darunter) Dies geht dann zu Lasten derjenigen, die es wirklich brauchen. Was bei uns in Deutschland mehr und mehr abhanden kommt, ist der Gedanke des Sozialstaates. Sozial heißt bei uns, die einen zu schröpfen und eine Schieflage zu schaffen, die einfach ungerecht verteilt ist.

Ebenso zeigt sich eine asoziale Ader im Arbeitsleben. Da werden Menschen mit Familie und Kindern entlassen, obwohl sie günstiger sind als Menschen, die über eine Zeitarbeitsfirma kommen, weil man sie einfach nicht wieder so schnell loswerden kann, wenn man sie nicht mehr braucht. Stellen werden nicht nachbesetzt. Arbeit ist bei uns in Deutschland einfach viel zu teuer. Drei schwangere Frauen in einem mittelständischen Betrief können diesen ruinieren.

Der Staat ist nicht mehr für die Bürger da, sondern der Staat wird mehr und mehr zu einem Feind der Bürger, den man umgehen muß, wo man nur kann, damit man sich einigermaßen frei bewegen kann. Dafür bleibt die Menschlichkeit vollständig auf der Strecke. Parkwächter der Polizei arbeiten, wie man immer wieder hört, auf Provision und für eine vergessene Parkscheibe zahlt man fünf Euro, völlig gleichgültig, ob die Logik, die dahinter steht eindeutig belegt, dass es gar nicht anders sein kann, als dass das Auto ordentlich geparkt war. Es ist ein unmenschlicher Umgang mit menschlichen Schwächen.

Das Buch von Claus Hipp ist für mich ein kleiner, aber wichtiger Beitrag dafür, dass ein Umdenken stattfinden kann. Es ist einfach geschrieben, für jedermann verständlich und beruft sich auf alte Werte, die bisher noch keiner Gesellschaft geschadet haben. Dabei ist es in gewisser Hinsicht auch unmodern, weil es eben sehr christlich ist. Aber das macht nichts, denn die Regeln für das menschliche Zusammenleben stehen ja nicht nur in der Bibel, sie stehen auch im Strafgesetz, man findet sie in psychologischen Praxen und zuletzt in der eigenen Bedürfniswelt.

Danke für dieses Buch!!

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